Autonomes Fahren – Mobilität neu erfinden

19.11.2019 Consulting

Das Rennen um die technische Vorherrschaft

Was lange Zeit als Science-Fiction galt, ist auf der Straße angekommen: Im Niederbayrischen Bad Birnbach fährt seit 2017 ein autonomer Bus eine mittlerweile zwei Kilometer lange Strecke als Teil des regulären Nahverkehrs. Damit mag das autonome Fahren noch nicht im Alltag der meisten Menschen präsent sein, doch ein erster Schritt ist getan.

Die Entwicklung autonomer Fahrzeuge ist eine technologische Reise ins Ungewisse. Wettbewerber rund um den Globus konkurrieren miteinander und verfolgen unterschiedliche Strategien auf dem Weg zur technischen Vorherrschaft. Auf dem Papier stehen die deutschen Autobauer gut da, sie melden die meisten Patente an . Nach momentanen Schätzungen deutscher Automobilhersteller wird es dennoch bis mindestens 2030 dauern, bevor führerlose Autos massenverkehrstauglich sind . Neben ungeklärten Sicherheitsfragen seien Autos nach heutigem Stand schlichtweg zu teuer. Autonom bedeutet aber nicht gleich autonom. Hier gibt es fünf Abstufungen, von assestiertem Fahren über teilautomatisiert und hochautomatisiert, bis hin zu autonom. Einzig beim höchsten Autonomielevel lässt es zu, dass lediglich die Beförderung von Passagieren ohen Fahraufgabe erfolgt und auch Fahrten gänzlich ohne Passagiere möglich sind. Die Bewältigung der Verkehrssituationen übernimmt die Technik des Fahrzeuges. Somit werden mögliche Regelverstöße nicht den Insassen angelastet, die auch nicht für entstandene Schäden haftbar gemacht werden.

Entwickler im Ausland sind bereits weiter. Obwohl auch hier fehlende Massentauglichkeit zugegeben wird, sind (teil-)autonome Autos entweder bereits auf den Straßen oder werden es bald sein. Dazu werden gewaltige Summen investiert, wie etwa ein vier Milliarden US-Dollar schweres Joint-Venture zwischen Hyundai und dem Zulieferer Aptiv zeigt. Das Resultat dieser Investments sind Projekte wie die autonome Taxiflotte des Uber-Konkurrenten Lyft in Las Vegas, bei deren Fahrzeugen bereits heute die Fahrer nur noch im Ernstfall das Steuer übernehmen. Big Player im Bereich des autonomen Fahrens ist China. Mehrere chinesische Großkonzerne arbeiten unter anderem mit IBM und Bosch zusammen an einer Plattform für autonomes Fahren und wollen dies auch schnellstmögliche auf die Straßen bringen. China hat den Energie- und Mobilitätssektor als Schlüsselfelder für die “Neue Seidenstraßen“ Strategie erkannt und avancierte längst zum Weltmarktführer und Innovator im Bereich autonomes Fahren.

Welche Strategie am Ende den Erfolg bringt, ist zum heutigen Stand noch nicht abzusehen. Der mit der autonomen Mobilität verbundene Markt ist gewaltig und verspricht insbesondere den Pionieren massive Gewinne. Je früher der Markt eröffnet wird, desto länger kann der Vorsprung durch hohe Anfangsinvestitionen ausgenutzt werden und desto signifikanter werden Vorteile durch Skaleneffekte. Kommt es jedoch zu Verzögerungen, kommt das denjenigen Entwicklern zugute, die eine moderate aber stetige Entwicklungsstrategie fahren.

Eine Grundsatzdebatte existiert auch bei der Frage nach der besten Entwicklungsstrategie für autonome Fahrzeuge. Deutsche Entwickler versuchen zumeist, bestehende Entwicklungskonzepte durch autonome Komponenten zu ersetzen, also prinzipiell das manuell gesteuerte Auto aufzurüsten. Manch anderer Entwickler konzentriert sich jedoch zunächst auf die Technologie für das autonome Fahren und entwickelt daraufhin ein passgenaues Fahrzeug. Das Resultat ist ein Vorsprung bei der autonomen Software, dem die Deutschen momentan wenig entgegenzusetzen haben.

Autonomes Fahren in Deutschland – das DEKRA-Testzentrum am Lausitzring

Ein weiteres Problem bei der Entwicklung des autonomen Fahrens in Deutschland sind ungünstige Testbedingungen. Eine allgemeine Skepsis gegenüber autonomen Fahrzeugen und ein starres gesetzliches Regelwerk sorgen für ein erhebliches Defizit an Straßenkilometern bei deutschen Automobilherstellern. Umso wichtiger sind daher gut ausgerüstete Teststrecken wie das DEKRA-Testzentrum am Lausitzring – das größte Testgebiet für autonomes Fahren in Deutschland.

Geplant ist unter anderem die Ausstattung der Teststrecke mit einem 5G-Netz. Der 5G-Standard ist einer der Grundpfeiler autonomer Autos, da er die Kommunikation der Fahrzeuge untereinander und mit der Umwelt deutlich verbessert. Latenzzeiten von bis zu 1ms entsprechen mehr als einer Verzehnfachung der 4G-Geschwindigkeiten und ermöglichen Echtzeitreaktionen und -kommunikation. Dies erlaubt den Autos Zugriff auf mehr Daten als die der eigenen Sensorik und ist daher ein wichtiger Entwicklungspunkt für die Gestaltung des Verkehrs der Zukunft.

Die Einrichtung der Teststrecke am Lausitzring ist Teil des Förderplans der deutschen Bundesregierung, Deutschland als Leitmarkt für 5G zu positionieren und 5G-Anwendungen nutzbar zu machen. Deutsche Modellregionen sollen so sowohl für heimische als auch für internationale Firmen attraktiv werden. Eine solche Bündelung von Kompetenzen hat die Chance, eventuelle technologische Rückstände auszugleichen und bahnbrechende kooperative Entwicklungen zu ermöglichen. Aber auch in diesem Feld ist China bereits einen deutlichen Schritt weiter: während in hierzulande das 3G Netz nach wie vor nicht in jeder Region verfügbar ist, planen die Chinesen eine Flächendeckung mit dem 5G-Mobilfunk-Standard bis zum Jahr 2025, um den vernetzten Verkehr zu etablieren. Mit dieser Entwcklung kann Deutschland nicht mithalten.

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Chancen vs. Risiken autonomen Fahrens

Das autonome Fahren eröffnet dem Mobilitätssektor bis dahin ungeahnte Möglichkeiten. Sowohl neues Fahrzeugdesign als auch komplett neue Mobilitätskonzepte werden prophezeit. Zunächst bedeutet der Wegfall des Fahrers, dass die Reisezeit nicht länger verlorene Zeit ist. Stattdessen kann sie für produktive Arbeit oder zur Erholung genutzt werden. Für fahrerlose Autos ist auch dem Design kaum Grenzen gesetzt. In Fahrtrichtung ausgerichtete Sitze, Windschutzscheibe, Spiegel und ähnliches wären lediglich optional, stattdessen sind effizientere, wohnraumähnliche Designs denkbar. Der Wegfall des menschlichen Fahrers ermöglicht weiterhin die Umsetzung neuer Sicherheitskonzepte. Bisher kann lediglich versucht werden, Insassen in Unfallsituationen bestmöglich zu schützen. Über entsprechende Sensorik, Kommunikation und den Einsatz von Machine Learning werden für autonome Autos präventive Sicherheitskonzepte denkbar, die Unfälle vermeiden, bevor sie entstehen.

Zusätzlich wird sich die Art und Weise ändern, in der Mobilität und Verkehr gedacht werden. Bei klassischen Taxifahrten entsteht ein Großteil der Kosten durch den Fahrer. Prognosen für autonome Taxen besagen, dass deren Preis sogar günstiger sein wird als die Fahrt mit einem Privatfahrzeug. Eine Folge wäre, dass in Zukunft statt Fahrzeugen vermehrt Mobilität direkt gehandelt wird, etwa in Form von Direktfahrten oder Shuttleservices. Insgesamt bedeutet dies eine Erhöhung der Lebensqualität, da Tür-zu-Tür-Fahrten nicht länger von einem Führerschein abhängig sind oder durch hohe Taxikosten unattraktiv werden. Insbesondere für Jugendliche und Senioren hat diese Entwicklung einschneidendes Potential.

Bei allen Chancen des autonomen Fahrens wird die Entwicklung auch von Bedenken und Skepsis begleitet. Neben den technischen Limits dominieren hier momentan ethische und rechtliche Fragen sowie Sicherheitsbedenken . Zentraler Problempunkt ist das Fehlen eines menschlichen Fahrers als Handlungs- und Entscheidungsverantwortlicher im Straßenverkehr. Es stellt sich etwa die Frage, wer bei einem Unfall in Haftung genommen werden kann. Hier treten zukünftig Versicherungen in den Fokus. Denkbar wären beispielsweise Haftpflichtversicherungen für die Halter oder Betreiber von autonomen Fahrzeugen. Ethische Bedenken betreffen unter anderem die Programmierung der KI hinsichtlich unvermeidbarer Unfälle: Findet das Auto keine Möglichkeit zur Schadensvermeidung, anhand welcher Richtlinien soll es handeln? Und wer soll über die moralische Macht verfügen, dies zu entscheiden? Sicherheitsbedenken treten beispielsweise bei der Daten- und Kommunikationssicherheit und der Frage auf, ob und wie sich autonome Fahrzeuge von außen manipulieren lassen. Doch auch Nachrichten von Unfällen mit autonomen Fahrzeugen werden überproportional negativ aufgenommen und nähren Zweifel an deren Sicherheit. Neben der Überwindung technischer Probleme muss also auch die Akzeptanz der breiten Bevölkerung gefördert werden, um autonomes Fahren in überschaubarer Zukunft mit Erfolg umsetzen zu können.

Quellen: dpma.de | handelsbaltt.comhandelsblatt.com/unternehmen | welt.de | regiolausitz.de | 5g-anbieter.info | deloitte.com | werser-kurier.de | adac.de | welt.de

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