Interview mit ARTS Product Assurance Manager

15.09.2020 2020/09

Von der Luftwaffe zum Versorgungsraumschiff für die Internationale Raumstation (ISS)

Christian Rosek ist seit gut zwei Jahren Teil der ARTS-Familie. Sein Werdegang umfasst viele Stationen in der Luftfahrt. Der passionierte Drohnenpilot und leidenschaftliche Motorradfahrer berichtet heute über seine Aufgaben als Product Assurance Manager bei Airbus Defence and Space am Standort Immenstaad am Bodensee.

Der erste Flug der InterSky fand am 25. März 2002 statt.
Christian Rosek und ein Teil der InterSky Crew.
Christian war 12 Jahre Teil der InterSky.
Bei InterSky war Christian u.a. Mitglied im technischen Management der Fluggesellschaft.
Der erste Flug der InterSky fand am 25. März 2002 stat
Zu seinen Aufgaben zählte auch die Begleitung interner Qualitätsmanagementsystem-Audits.
Die Luft- und Raumfahrt bedeutet für Christian Faszination und Begeisterung pur.
Bei der Luftwaffe absolvierte Christian seine Ausbildung zum Flugzeugtechniker am F104G Starfighter.

Wie bist du in die Luftfahrt gekommen?

Ich war schon in meiner Jugend sehr technikversiert, doch in die Fliegerei bin ich dann eher durch Zufall gelangt. Ich wollte zur Bundeswehr und ein Freund unserer Familie und ehemaliger Offizier hat mich von der Luftwaffe überzeugt. Also habe ich mich als 19 jähriger dort beworben, bin zum Eignungstest gefahren und dann war ich dabei. Ich habe mich sofort für vier Jahre bei der Luftwaffe verpflichtet und dort auch meine erste Ausbildung zum Flugzeugtechniker an der F104G Starfighter absolviert. Damals habe ich sofort die Faszination und Begeisterung gespürt, die die Luft- und Raumfahrt in mir auslöste und sie hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.

Es folgten mehrere Stationen: Von der kleinen Regionalairline Delta Air (später Deutsche BA und Air Berlin), zur Zeppelin Luftschiff Technik GmbH. Hier konnte ich maßgeblich an der Produktion des ersten Serien-Luftschiffes LZ NT07 mitwirken. Dies war eine ganz besonders spannende und herausfordernde Zeit für mich, da der Aufbau eines Zeppelins (Starrluftschiff) in keinster Weise mit dem eines Flugzeugs zu vergleichen ist. Pioniergeist war gefragt, da wir bei der Erprobung des Prototypen auch einige technische Rückschläge zu verkraften hatten, die wir jedoch dann am Serienschiff verbessern konnten und letztlich das erste Luftschiff nach Japan überstellen konnten.

Warum hast du danach der Luftfahrt kurzweilig den Rücken gekehrt?

Anfang der 2000er Jahre gab es einen regelrechten Boom im Webdesign, in dem ich meine Kreativität entfalten konnte. Ich habe mich mit meiner eigenen kleinen Agentur selbstständig gemacht und individuelle Websites für Klein- und mittelständische Unternehmen entworfen und programmiert. Ab Mitte der 2000er wurden die „handgemachten“ Homepages nach und nach durch Bausteinplattformen ersetzt, sodass es mich wieder zurück zu meiner Leidenschaft, der Luft- und Raumfahrt zog.

Es folgten mehrere Jahre in der Luftfahrt als EASA/LBA lizensierter Prüfer von Luftfahrtgerät, Bordtechniker bei div. Spezial-Flügen, Engineering Manager bis hin zur Leitung der Qualitätssicherung.

Wie bist du schließlich zu ARTS gekommen?

Ich bin Anfang 2018 bei ARTS eingetreten und seitdem als Product Assurance Manager in Space Equipment bei Airbus Defence and Space tätig. Ich habe mich damals auf diese Stelle beworben und wurde direkt zum Vorstellungsgespräch eingeladen, worauf ich glücklicherweise aus mehreren Bewerbern ausgewählt wurde.

H-2 Transfer Vehicle, MetOp-SG und EUCLID - 3 unterschiedliche aber faszinierende Weltraumprojekte

Welche Projekte betreust du bei Airbus Defence and Space?

Die jeweiligen Projekt-Kernteams sind mit 5-6 Mitarbeitern aus verschiedenen Fachbereichen besetzt. In meiner Funktion als PA Manager bin ich Mitglied der Kernteams und betreue aktuell 3 verschiedene Raumfahrt-Projekte. Als Product Assurance Manager bin ich u.a. für die Einhaltung der Qualitätsstandards während der Produktion, die Dokumentation, sowie für die Gesamtheit der Module vor der Auslieferung an den Kunden verantwortlich. Jedes Projekt ist auf seine ganz individuelle Weise spannend und es macht einfach mega Spaß!

Eines meiner Projekte ist das H-2 Transfer Vehicle (HTV). Das HTV ist ein, von der japanischen Raumfahrtbehörde (JAXA) und Mitsubishi Heavy Industries (MELCO) beauftragtes Projekt. Diese unbemannten Versorgungsraumschiffe versorgen jährlich die Mannschaft der Internationalen Raumstation (ISS) mit elektrischen und elektronischen Geräten, Trinkwasser, Lebensmittel, etc. und wird mit einer H-2B-Rakete vom Weltraumbahnhof Tanegashima im südlichen Japan aus in den Orbit zur ISS gestartet. Nach einer Andockdauer von 30-60 Tagen an der ISS, wird das HTV mit nicht mehr benötigter Ausrüstung beladen und kontrolliert in der Erdatmosphäre zum Verglühen gebracht. Airbus entwickelt und produziert die für das HTV notwendigen Power Control Units (PCU), sowie Heater Control Units (HCE). Es stecken viele Jahre Forschung und Entwicklung in diesen Modulen und es wurden in der Vergangenheit bereits Module für 9 HTV-Missionen ausgeliefert, die allesamt erfolgreich abgeschlossen werden konnten.

Mein zweites Projekt ist ein ESA Projekt, beauftragt von der europäischen Raumfahrtbehörde: MetOp-SG. Das sind Wettersatelliten, die die Erde in erdnaher polarer Umlaufbahn umkreisen. Der Launch ins All ist für 2022 geplant. Für diese Satelliten entwickeln und produzieren wir den High Power Amplifier (Hochleistungsverstärker - HPA).

Das dritte Projekt an dem ich gerade mitwirke, ist das EUCLID. Ein Weltraumteleskop der ESA zur Erforschung der sogenannten dunklen Energie und Materie. Airbus entwickelt und baut hierfür die Mass Memory Unit (Massenspeichereinheit MMU). Das Weltraumteleskop soll im Juni 2022 mit einer Sojus-Rakete von Kourou aus seine Reise beginnen und nach etwa 30 Tagen seinen Zielort, den zweiten Lagrange-Punkt (kurz L2), im Erde-Sonne System erreichen.

Christian Rosek in seinem Büro bei Airbus Defence and Space
Christian genießt an seinem Projektstandort die Symbiose aus Alpen und See sowie die Nähe zu seiner Heimat.
Christian genießt an seinem Projektstandort die Symbiose aus Alpen und See sowie die Nähe zu seiner Heimat.
Das HTV-2 war das erste Serienmodell, das zur ISS flog.
Das HTV ist ein unbemanntes Versorgungsraumschiff der japanischen Raumfahrtagentur JAXA.
Das HTV ist ein unbemanntes Versorgungsraumschiff der japanischen Raumfahrtagentur JAXA.
Das HTV-2 war das erste Serienmodell, das zur ISS flog.
Das HTV versorgt die ISS u.a. mit Trinkwasser, Nahrung und Ausrüstung.
Das HTV versorgt die ISS u.a. mit Trinkwasser, Nahrung und Ausrüstung.

Airbus Defence and Space ist ein internationales Unternehmen, widerspiegelt sich das auch in deinem Projektteam?

In den Projektteams findet die Kommunikation meist in Englisch statt, da einige der Teamkollegen auch aus anderen EU-Ländern stammen. Ebenso Kundenmeetings und -Besprechungen sind zumeist englischsprachig, da sich unsere Kunden teilweise auf der anderen Seite der Erde befinden. Jedes dieser Projektteams setzt sich aus einer gemischten Truppe von Experten zusammen und der Teamspirit ist einfach unglaublich - vielleicht gerade deshalb. Jeder gibt stets sein Bestes und wächst täglich über sich hinaus. Im Projektteam sind wir alle auf Augenhöhe.

Mit welchen Herausforderungen bist du während den Projekten konfrontiert?

In den meisten Projekten ist der Zeitfaktor ganz besonders wichtig, da diese eine harte Deadline, wie z.B. einen fixen Starttermin haben und nicht viel Zeitpuffer bis zum Projektende und der Auslieferung verfügbar ist. Das hat oft zur Folge, dass durch evtl. entstandene Probleme bei der Beschaffung oder Fertigung, die dadurch verlorene Zeit wieder reingeholt werden muss. Dies erfordert meist einen Mehraufwand an Arbeit und Flexibilität.

Zudem arbeiten wir selbstverständlich nach den höchsten Qualitätsstandards. Fehler oder Ungenauigkeiten müssen weitestgehend vermieden und ggf. behoben und dokumentiert und mit dem Kunden diskutiert werden. Das ist immer zeitaufwändig und verursacht zudem auch erhöhte Kosten.

Was macht die Arbeit bei ARTS für dich besonders?

Hier am Standort treffe ich auch Kollegen, die bei anderen Dienstleistern angestellt sind. Im Gegensatz zu deren Erzählungen kann ich mich wirklich glücklich schätzen. Vom Erstkontakt bis zur jetzigen Zusammenarbeit lief bei mir immer alles reibungslos.

Natürlich gibt es im ANÜ Bereich eine gewisse Unsicherheit, die mitschwingt. Aber für mich persönlich ist es eigentlich eine super Arbeitssituation. Ich habe hier die Chance in spannenden Raumfahrtprojekten mitzuarbeiten.

Du hast schon viel in der Luftfahrt mitgewirkt, hast du noch ein Ziel, dass du in deiner Karriere gern erreichen möchtest?

Ich würde sehr gerne hier an meinem jetzigen Standort in Immenstaad bleiben. Ich bin nicht sehr weit von hier, in Ravensburg aufgewachsen und habe viele Jahre am Flughafen in Friedrichshafen gearbeitet. Ich kenne und schätze die Gegend durch ihre Nähe zu den Alpen und zum Bodensee sehr. Einen weiteren Karrierewunsch kann ich im Moment gar nicht äußern, da ich mich in der aktuellen Position als PA Manager wirklich rundum wohl fühle und mich die Aufgaben in Space Equipment voll und ganz ausfüllen.

Nutzen auch Sie Ihre Chance

Sie sind Querdenker und Mitgestalter und möchten in spannenden Projekten arbeiten? Dann können Sie sich direkt online, auf eines unserer Jobangebote bewerben. Falls Sie nicht fündig werden, freuen wir uns über Ihre Initiativbewerbung.

 

Leistungen im Überblick

Services

Wir entwickeln Karrieren!

Jobs

20 Jahre erfolgreich!

Successbook