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Qualitätsmanagement in der Smart Factory

15.11.2018 Industrial Services

Prozesse stellen neue Anforderungen an Unternehmen

Neue Technologien, veränderte Prozesse und damit verbundene Umstrukturierungen bringen Herausforderungen in alle Unternehmensbereiche und stellen die Fachkräfte und vor allem Qualitätsbeauftragte vor neue Aufgaben. Gab es früher festgelegte Standards an denen sich Unternehmen orientierten, ist das Qualitätsmanagement aktuell von immer kürzer werdenden Innovationszyklen bei gleichzeitig steigender Produktvielfalt geprägt. Regelmäßig müssen Prozesse und Strukturen neu angepasst werden, um der zunehmenden Flexibilisierung und Vernetzung gerecht zu werden. Gerade aber in der selbstorganisierten Flexibilität liegen auch Schwachstellen, wenn es um die Berücksichtigung der Qualitätsanforderungen geht. So ist es gut möglich, dass in Zukunft jedes herzustellende Produkt einen anderen Weg durch den Fertigungsprozess geht, was die Fehleranalyse und Ursachenidentifikation bei Störungen deutlich erschwert.

Herausforderungen für kleine und mittelständische Unternehmen

Die neuen Anforderungen der Industrie 4.0 zwingen besonders kleine und mittelständische Unternehmen, sich mehr mit Geschäftsmodellinnovationen zu beschäftigen. Fehlentscheidungen auf Grund nicht vorhandener Informationen oder Fehleinschätzungen von Risiken und Potenzialen können im Ergebnis zu Wettbewerbsnachteilen führen und unter Umständen sogar die Unternehmensexistenz gefährden. Die Basis für ein erfolgreiches Geschäftsmodell bilden demnach schon heute und noch viel mehr in der Zukunft, echtzeitnahe Daten zur Erzeugung neuer Dienste mit einem deutlich erkennbaren Nutzenprofil für den Kunden. Die meisten Unternehmen verfügen bereits über große Datenmengen, die erfasst und archiviert jedoch in den seltensten Fällen analysiert werden. Der Analyse von Informationen aus Kerngeschäftsprozessen wie Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Qualitätsmanagement muss in der Smart Factory eine ganz neue Beachtung geschenkt werden. Denn nur die permanente Beobachtung und Auswertung aller Prozesse ermöglicht im Endeffekt ein schnelles Eingreifen, das Anpassen von Funktionen und eine frühzeitige Qualitätsplanung, die eine Beschleunigung des Qualitätsmanagements zum Ziel hat.

Maßstäbe neu definiert

Laut Definition des Gabler Wirtschaftslexikons bedeutet Agilität „… Gewandtheit, Wendigkeit oder Beweglichkeit von Organisationen und Personen bzw. in Strukturen und Prozessen. Man reagiert flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse und neue Anforderungen. Man ist, etwa in Bezug auf Veränderungen, nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv.“ Was bedeutet dies für das Qualitätsmanagement?

In dynamischen Märkten und unter herausfordernden Rahmenbedingungen ist Agilität ein notwendiges Mittel, um Unternehmen ergebnisfähig aufzustellen. Während das klassische Qualitätsmanagement für stabile Unternehmen in Phasen entstanden und entwickelt wurde, wird es den heutigen Anforderungen agiler und ständig wechselnder Märkte nicht mehr gerecht. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Unternehmen, welches bestehen möchte, bereits vorher wissen muss, was der Kunde morgen verlangt. Hier spielt vor allem das präventive Qualitätsmanagement eine Rolle, welches voraussetzt, dass Qualitätskriterien bereits bei der Entwicklung eines Produktes berücksichtigt werden. Laut einer Studie geben 82 Prozent der Befragten an, dass Qualität in ihrem Unternehmen in der Produktion ein entscheidendes Thema ist. Doch nur 48 Prozent bestätigen, dass ihr Qualitätsmanagement auch in der Phase der Konzeptentwicklung im Fokus steht.

Dies hat natürlich einen starken Einfluss auf das Qualitätsmanagement. Denn wenn Qualitätsbeauftragte starr an den klassischen Lehren festhalten, geht damit zwangsläufig ein Qualitätsverlust einher und die schwindende Akzeptanz bei Kunden und Geschäftspartnern wird eine logische Konsequenz sein. Der neue Weg wird das agile Qualitätsmanagement (QM) sein.

Agiles Qualitätsmanagement

Die Grundsätze der ISO 9001 sind andere als die des agilen QM. Das klassische QM ist geprägt von Kundenorientierung, Führung, Einbeziehung von Personen, prozessorientierten Ansätzen, Verbesserungen, faktengestützten Entscheidungsfindungen und Beziehungsmanagement. Das agile Konzept verfolgt andere Ziele.

Während das klassische Qualitätsmanagement die Bedeutung des Kunden zwar anerkennt, aber im Endeffekt tatsächlich nur zwei Berührungspunkte im gesamten Prozess mit ihm hat – bei der Abfrage der Anforderung und der Zufriedenheit – sucht das agile System die regelmäßige Interaktion mit bestehenden und potentiellen Kunden. Verknüpft mit dem Ansatz der Iteration, welcher im Kontrast zur klassischen Verbesserung steht, wird der Kunde aktiv an den Phasen der Ideenfindung, Entwicklung und Realisierung von Produkten beteiligt. Iteration ist sehr experimentell und kann mit dem Scheitern sehr gut umgehen. Es bedeutet, immer wieder zu dem Punkt zurückzukehren, ab dem eine Verbesserung oder eine modifizierte Lösung möglich ist.

Auch der Aspekt der Führung im Rahmen von Hierarchien löst sich im agilen Konzept weitgehend auf. Denn agile Organisationen verfolgen den Grundsatz der Selbstorganisation. Interdisziplinäre Teams übernehmen Rollen und Aufgaben, die zuvor Führungskräfte innehatten. Die Kompetenz, Kommunikation und vollständige Vernetzung der Teams haben eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit bei sehr guter Qualität zum Ergebnis.

Klassischerweise bedeutete die Einbeziehung von Personen, das Einbeziehen von Experten mit definierten Kompetenzen und Befugnissen. Ergänzend wird im agilen Qualitätsmanagement auch auf das Wissen vieler zurückgegriffen. Ermöglicht wird dies durch den hohen Vernetzungsgrad. Agile Teams ziehen die Expertise hinzu, die sie benötigen, unabhängig von Funktion oder Stellung im Organigramm. Da diese Aktivitäten kaum planbar sind, muss das agile QM die Vernetzung stimulieren und unterstützen.

Auch die faktenbasierte Entscheidungsfindung ist ein Relikt des klassischen QM. Denn oftmals fehlen Fakten oder sie werden bewusst ausgeblendet, um ein gewünschtes und wissenschaftlich anmutendes Ergebnis zu erzielen. Selbstverständlich sind Fakten für die Lösungsfindung bedeutend, dennoch sieht das agile Konzept mehr Erfolgschancen, wenn der maßgebliche Knackpunkt hergeleitet wird, von dem ausgehend eine vielversprechende Lösung entstehen kann.

Erklärtes Ziel ist es, Organisationen so umzubauen, dass sie in der neuen Arbeitswelt leistungs- und überlebensfähig sind. Davon betroffen sind natürlich auch das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung. Speziell diese kann und muss neue Technologien nutzen.

© Audi Deutschland
© Audi Deutschland

Die wichtigsten Trends der Qualitätssicherung

Die zunehmende Zahl agiler Organisationen und Organisationsbereiche benötigt ein agiles Qualitätsmanagement in Form von Automatisierung, Smart Data Nutzung, Simulation und der lieferkettenübergreifenden Vernetzung.

Im Rahmen der Automatisierung kann zum Beispiel via moderner Messtechnik und Sensorik eine Echtzeit-Erfassung in produzierenden Prozessen stattfinden. Sie erfasst minimalste Abweichungen und auftretende Schwierigkeiten in kürzester Zeit und liefert auf knappem Weg Informationen an die involvierten Fachbereiche.

Unterstützend können vor dem tatsächlichen Produktionsbeginn Simulationen erfolgen, um teure Versuche mit echten Materialien zu vermeiden oder auch um Fehlerquellen und -ursachen rechtzeitig zu identifizieren. Die virtuelle Qualitätssicherung ermöglicht die Beobachtung von Kunden bei der Nutzung noch nicht existenter Produkte und liefert auf diesem Weg Erkenntnisse über Kundenanforderungen. Weiterhin lassen sich zukünftige Produkteigenschaften sowie die Einbindung spezieller Bauteile in Systeme vorab überprüfen, was wiederum Informationen für das Design und die Fertigungsprozesse liefert. So sind auch zahlreiche Produktvarianten testbar und es wird möglich sein, auf physische Erstmuster zu verzichten, was den gesamten Prozess beschleunigt.

Die vollständige Vernetzung aller Supply Chains ist das erklärte Ziel der Industrie 4.0. Sie ermöglicht dank der übergreifenden Kommunikation aller Prozessbeteiligten einen Informationsfluss, der bestmöglich der Entwicklung, Qualitätssicherung, Logistik und Fertigungssteuerung dient. Die daraus resultierenden Synergien wären vielversprechend. An diesem Punkt stehen allerdings einige rechtliche Fragestellungen wie der Schutz des geistigen Eigentums und wem welche Daten gehören. Auch im Raum steht die Frage, wer koordiniert all diese Prozesse?

Mit großer Sicherheit werden diese Fragen ihre Antworten finden. Es werden neue Geschäftsmodelle und innovative Lösungen entstehen. Wichtig ist, dass sich Unternehmen bereits jetzt auf diese neuen Entwicklungen vorbereiten, starre Prozesse agiler gestalten und sich Qualitätsbeauftragte auf die neuen Anforderungen einstellen. Gern unterstützen Sie unsere Experten von ARTS bei der Weiterentwicklung Ihres Qualitätsmanagements und bei der Vorbereitung auf die Industrie 4.0.

Quellen: computerwoche.de | gabler-wirtschaftslexikon.de | atkearney.de | qz-online.de | maschinenmarkt.de

Über den Autor
Christian Rost | Customer Program Manager, Manufacturing Engineering, Logistics & Supply Chain
Christian Rost
Customer Program Manager, Manufacturing Engineering, Logistics & Supply Chain

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