Ein Zeichen für den Wandel – Fachkräftemangel in der Logistik

Vor allem Logistikdienstleistern fällt es immer schwerer, leere Stellen zu besetzen. Längst hemmt dieser Zustand nicht mehr nur das Wachstum der betroffenen Unternehmen, der Personalmangel kann sogar zur Gefahr für die Aufrechterhaltung des Betriebes werden. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Logistikunternehmen gleichzeitig ihre Technologiekompetenz verbessern und an ihrem Image arbeiten.

Woran liegt der Bewerbermangel in der Logistik?

Nachwuchs fehlt in der Logistikbranche auf allen Qualifikationsebenen. So gehen bei den Firmen nicht nur immer weniger Bewerbungen auf Stellen als Kraftfahrer oder Lagerlogistiker ein. Auch Disponenten und Fahrdienstleiter sind gesucht. Doch längst nicht alle Bereiche der Branche trifft es gleichermaßen. Während größere Betriebe weniger Nachwuchssorgen haben, haben kleine und mittelständische Unternehmen zunehmend sogar Probleme, die natürliche Fluktuation auszugleichen. Zwar ist der Logistiksektor analog zum Transportaufkommen in der Vergangenheit beträchtlich gewachsen. Die Branche hat es dennoch verpasst, sich als attraktiver Arbeitgeber für Nachwuchskräfte und Berufserfahrene aus anderen Industriezweigen zu positionieren. Von den drei Teilbereichen der Logistik, also Dienstleistern, Handel und Industrie hat vor allem ersterer mit diesem Problem zu kämpfen.


Planer und Disponenten sind ebenfalls gefragte Fachkräfte

Die Logistik hat zu Unrecht ein schlechtes Image, denn die Bereiche Import, Export und Zoll bieten ein breites Spektrum an vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben.

Die Gründe dafür sehen Experten zum einen in dem generell schlechten Ruf des Logistiksektors. Lange Arbeitszeiten, einfache Tätigkeiten und niedrige Löhne bestimmen das Bild der Sparte unter Bewerbern. Dabei hätte die Logistikbranche einiges zu bieten: Längst werden in vielen Betrieben modernste Technologien eingesetzt und Tätigkeitsfelder im Import und Export sowie Zollwesen versprechen abwechslungsreiche und herausfordernde Aufgaben. Das Problem: Die Logistikbranche, darunter vor allem die kleineren Betriebe, haben es bisher verpasst, dies entsprechend zu vermarkten. So gilt mangelndes Personalmarketing als eines der großen Hemmnisse für die Gewinnung qualifizierten Nachwuchses auf allen Ebenen.


Die Logistik der Zukunft

Doch bei vielen der angesprochenen kleinen und mittelständischen Betrieben stellt die mangelnde Pflege der eigenen Marke nicht den alleinigen Grund für die Nachwuchssorgen dar. Auch was die Arbeitsbedingungen angeht, könnten sie weiter ins Hintertreffen gelangen. Schließlich haben gerade sie mit den Herausforderungen der Logistik 4.0 zu kämpfen. Doch was steckt hinter diesem Begriff?

Logistik 4.0 beschreibt die durch die Möglichkeiten der Digitalisierung transformierte Logistikbranche. Dahinter verbirgt sich ein zentrales Konzept: Mit Hilfe digitaler Technologien lassen sich Maschinen, Objekte und auch Menschen in Echtzeit verknüpfen. Damit stehen ehemals nur lokal gespeicherte Informationen nun allen Teilnehmern zur Verfügung, und das ohne Zeitverzug. Konsequent zu Ende gedacht, sorgt diese Idee für dezentralere Entscheidungsstrukturen und noch mehr Automatisierung in der Logistik. Pakete finden nun beispielsweise selbstständig ihren Weg durch Logistikzentren oder automatisierte Lager optimieren eigenständig die Belegung der Regalfächer. Diese Transformation betrifft alle Teildisziplinen der Logistik, Lager und Transport ebenso wie Produktion oder Distribution und entscheidet mehr und mehr über den Unternehmenserfolg, denn die effiziente Steuerung von Wertschöpfungsnetzwerken wird in vielen Branchen zum strategischen Erfolgsfaktor. Nicht nur für private, sondern auch für gewerbliche Kunden bestimmt die flexible Lieferung mit kurzen Laufzeiten zunehmend die Qualität von Produkten und Services. Mehr über unser Verständnis der Logistik 4.0 erfahren Sie im Artikel Transparente und vernetzte Logistikprozesse - reale Vision oder Fiktion?

 
 

Neben Robotern und Maschinen mit künstlicher Intelligenz sind Fachkräfte auch in der Industrie 4.0 eine Schlüsselressource.©ARD

Um die Effizienzpotenziale der Technologie zu nutzen, braucht es in der seit jeher informationsgetriebenen Logistiksparte vor allem eins: Durchgängige und hochwertige Daten, die der Optimierung der Prozesse dienen. Vor allem kleinere Unternehmen aus der Dienstleistungssparte tun sich schwer, die notwendige digitale Infrastruktur zu schaffen. Sie bleiben damit hinter den Erwartungen ihrer Industrie- und Endkunden an die vermehrte Interaktion zurück. Damit drohen sie den Anschluss an ihre größeren Konkurrenten zu verpassen, während die Logistikbereiche in Industrie und Handel häufig bereits einen Schritt weiter im Transformationsprozess sind. Schuld an der mangelnden Fähigkeit zur Innovation sind unter anderem die traditionell niedrigen Margen in der Branche, die Zukunftsinvestitionen erschweren. Doch zur fehlenden Finanzkraft kommt die unzureichende Attraktivität für die benötigten Spezialisten.


Die Qualifikationsprofile wandeln sich

Viele Betriebe der Logistikbranche treffen die niedrigen Bewerberzahlen also gleich doppelt: Zum einen fehlen die nach wie vor notwendigen Fachkräfte für operative Tätigkeiten in Lager und Transport, zum anderen gelingt es den Betrieben nicht, genug Spezialisten für den Transformationsprozess an sich zu binden. Schließlich verlangt die Realisierung der Logistik 4.0 Mitarbeiter mit entsprechenden Kenntnissen. Nur ein Beispiel: Roboter und automatische Anlagen müssen geplant, programmiert und gewartet werden.

Neben Ingenieuren werden vor allem Informatiker gesucht, die die Daten des Unternehmens ordnen und durch entsprechende Analysen wichtige Informationen zur Optimierung des gesamten Materialflussnetzwerkes gewinnen. Der Frage, wie die Industrie 4.0 auch die Arbeitswelt sogenannter Kopfarbeiter, die hauptsächlich Daten verarbeiten oder kreativen Tätigkeiten nachgehen, verändert, sind wir in unserem Beitrag über den Wandel des Berufsbilds Ingenieur nachgegangen. In der Logistik bedeutet das: Selbst administrative Aufgaben können Maschinen in vielen Fällen zuverlässiger und genauer erfüllen als Menschen. Für die Mitarbeiter steigt der Anteil schöpferischer Arbeit wie die organisatorische und technologische Planung und Optimierung von Prozessen. Der Wandel betrifft auch Lagerfachkräfte: Sie werden perspektivisch zwar durch Maschinen von Standardaufgaben entlastet, können sich durch entsprechende Qualifikationen aber neue Tätigkeiten in der Wartung- und Instandhaltung erschließen. Wo die menschliche Arbeit aufgrund ihrer Komplexität nicht zu ersetzen ist, wird sie durch Innovationen aus der Bionik wie dem Exoskelett für die Mitarbeiter so belastungsarm wie möglich gestaltet.


Die Transformation für sich nutzen

Unternehmen der Logistikbranche sowie potenzielle Bewerber können den Wandlungsprozess zur Logistik 4.0 als Chance begreifen. Schließlich bieten sich Mitarbeitern und Unternehmen neue Möglichkeiten, ihre Position am Markt zu verändern. Logistikunternehmen, die den technologischen Wandel aktiv gestalten, können sich von alten Wettbewerbern absetzen und sich strategische Erfolgsvorteile sichern. Dafür müssen sie vorhandene Daten ordnen, daraus die richtigen Schlüsse im Sinne von Prozessverbesserungen ziehen und die Voraussetzungen für eine engere Interaktion mit ihren Wertschöpfungspartnern schaffen. Dafür brauchen Unternehmen neben finanziellen Ressourcen vor allem die richtigen Fachkräfte.

Unternehmen, die sich jetzt eine vorteilhafte Marktposition für die Zukunft sichern wollen, sollten daher vermehrt an ihrer Attraktivität für Bewerber arbeiten. Die Substanz für die Vermarktung ist gegeben: Durch einen optimalen Technologieeinsatz kann die Logistikbranche Technikaffine begeistern und zugleich Tätigkeiten wie Lagerarbeit belastungsarm gestalten. Auch Einstiegspositionen bieten Entwicklungsperspektive, schließlich können sich Neueinsteiger hier das Handwerkszeug für die zunehmenden Aufgaben mit höherer Wertschöpfung aneignen. Die Branche ist in ihrer Gesamtheit gefragt, denn zur Verbesserung des Images gehört unter anderem die Schaffung mit der Industrie vergleichbarer Arbeitsbedingungen hinsichtlich Arbeitszeit, Entlohnung und Anerkennung.


Wie ARTS Sie unterstützen kann

Unsere Experten im Bereich Logistik und Supply Chain Management arbeiten bereits heute mit führenden Technologieunternehmen zusammen daran, die Vision von der Logistik 4.0 zu verwirklichen. Mit unseren maßgeschneiderten Logistiklösungen unterstützen wir Sie bei der Optimierung der gesamten Prozesskette hinsichtlich der zentralen Indikatoren Transparenz, Flexibilität und Effizienz. Auf Ihren Wunsch übernehmen wir auch operative Tätigkeiten in Lager, Produktion, Distribution und indirekten Bereichen. Unsere langjährige Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt sowie dem Maschinen- und Fahrzeugbau spricht für die hohen Qualitätsstandards unserer Arbeit.


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