Ciao Männerdomäne – Frauen in der IT- Branche

06.08.2019 Karrieretipps

Im 21. Jahrhundert wird es Zeit sich von Rollenklischees zu lösen

Das amerikanische Silicon Valley gilt nicht Wenigen als Sehnsuchtsort. Ein schillerndes Paradies für Unternehmer und Visionäre, in dem die Welt von morgen erdacht, entwickelt und von finanzstarken Konzernen wie Google, Apple oder Tesla schon heute ganz konkret in Realität verwandelt wird. Längst werden Produktpräsentationen als Großevents inszeniert, von Fans auf der ganzen Welt online verfolgt. Beinahe alle namenhaften Firmen setzen sich öffentlichkeitswirksam für eine diverse Unternehmenskultur ein, auf der Bühne ist man um ein ausgeglichenes Verhältnis aller Geschlechter bemüht. Vielfalt wird zur Markenbotschaft.

Doch die Realität im Publikum spricht auch im Herzen der Technologie-Industrie noch immer eine andere Sprache. Es sind, ganz dem Klischee entsprechend, vor allem Männer, die das Bild bestimmen. Sowohl unter den Entwicklern, als auch auf den Führungsetagen. In den führenden deutschen Unternehmen ist das Ungleichgewicht sogar noch größer. Dabei ist die Geschichte der Computerentwicklung eigentlich eine, die durchaus weibliche Vorbilder kennt. Die Mathematikerin Ada Lovelace wird von nicht wenigen Historikern als erste Programmiererin überhaupt betrachtet. Bereits 1843 arbeitete sie mit ihrem Kollegen Charles Babbage an einem Gerät, das zu den Vorläufern heutiger Computer gezählt werden darf. Oder aber die Physikerin Grace Hopper, die in den 50er Jahren essentielle Entwicklungsarbeit in der Informatik betrieb. Auch während des zweiten Weltkriegs waren es in erster Linie Frauen, die sich mit der Programmierung erster ernstzunehmender Rechenmaschinen befassten.

Galt die Arbeit mit den einfachen Computern damals noch als vermeintlich simple Bürotätigkeit, gehören die Jobs in der IT- Branche heute zu den begehrtesten überhaupt. Dennoch sind Frauen in IT-Berufen eine Seltenheit. Und auch an den Universitäten dominieren männliche Studenten die entsprechenden Fächer. Nur etwa 23 Prozent beträgt der Anteil weiblicher Studierender der Informatik in Deutschland. Zwar zeichnet sich mittlerweile immerhin ein leicht positiver Trend in der Entwicklung ab, doch auch im Jahr 2019 ist eine Karriere in IT-Berufen vor allem für Männer attraktiv.

Melange aus Faktoren

Für Branchenexperten liegen die Gründe dafür in einer komplexen Mischung aus bestimmten Faktoren. So sehr sich die gesellschaftliche Perspektive in Fragen der Gleichstellung in den vergangenen Jahren gewandelt hat, in unseren Kinderzimmern halten sich lange etablierte Formen der sozialen Prägung beharrlich. Jungs werden ganz selbstverständlich bestärkt mit technischem Spielzeug umzugehen, für Mädchen wird indes anderes ausgesucht. So werden die Grundlagen des Problems früh gelegt, in Kindergarten und Schule setzt sich die Kette fort. Lehrer sind sich dessen oft gar nicht bewusst, es fehlen die Strukturen, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Die Nachwuchsförderung, die es bräuchte, um kreative junge Frauen für IT zu begeistern, ist in Deutschland kaum vorhanden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt existiert einzig der „Girls Day“ als landesweite Initiative, um gezielt Mädchen an Themen wie Informatik und Coding heranzuführen. Dabei sind viele junge Frauen schnell begeistert, wenn sie erst einmal mit Computerentwicklung in Berührung gekommen sind. Die Branche wünscht sich daher schon lange ein viel stärkeres Engagement von politischer Seite.

Gerade weil die gesellschaftlichen und strukturellen Hürden es Frauen ungleich schwerer machen in der Industrie Fuß zu fassen, kommt es auf sichtbare und starke Rollenmodelle an. So wie Ex-Yahoo-Chefin Marissa Meyer oder Facebook Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, die auch öffentlich immer wieder für die Belange von Frauen eintreten und als Mütter erfolgreich an der Spitze eines Weltkonzerns stehen. Noch mehr Gewicht haben jedoch nahbare Persönlichkeiten in der hiesigen Industrie. Frauen wie Fränzi Kühne, die einst ihr Jurastudium abbrach, um mit eigener Agentur landesweit Unternehmen in Fragen der Digitalisierung zu beraten. Mit gerade einmal 34 wurde sie vor einigen Jahren Aufsichtsrätin des Telekommunikationsunternehmens Freenet und damit die jüngste Frau, die ein solches Amt bis dahin inne hatte.

Neue Perspektiven

Wie wichtig es ist Mädchen und Frauen für die sogenannten MINT-Fächer und eine Karriere in der Informationstechnologie zu begeistern, lässt sich vielleicht am anschaulichsten im Bereich der Künstlichen Intelligenz verdeutlichen. Der Mangel an weiblicher Perspektive in der Entwicklung dieser, aber auch anderer hochinnovativer Technologien birgt die Gefahr, dass Ungleichheiten und Diskriminierung sich schließlich auch in Algorithmen verfestigten. Denn im Moment sind es vor allem männliche Perspektiven, die den Programmen zu Grunde liegen. Doch Systeme, die einmal der Gesellschaft im Allgemeinen dienen sollen, müssen gerade von Beginn an integrativ entwickelt werden.

Auch in vielen anderen Bereichen der IT-Branche kommt es zunehmend auf kommunikationsstarke Rollen an, denn agiles Arbeiten und progressive Projektmanagement-Methoden sind längst Standard in der Industrie. Soft Skills wie diplomatisches Gespür, Kreativität und Empathie sind heute wichtiger denn je, um in der Zusammenarbeit sowie Vermittlung zwischen Abteilungen oder mit Kunden, gute Ergebnisse zu erzielen. Für Frauen ergeben sich daraus viele neue und interessante Positionen. Glaubt man den Erhebungen des Instituts der deutschen Wirtschaft, fehlen schon jetzt mehr als 200.000 Arbeitskräfte in den MINT-Fächern. Es geht also längst um mehr als soziales Engagement oder Imagepflege. Auf die weibliche Perspektive zu verzichten, könnte in naher Zukunft für Unternehmen schnell zu einem existentiellen Risiko werden.

Bevor es jedoch gelingen kann, die IT-Industrie geschlechterübergreifend zu einem begehrten Arbeitgeber zu machen, müssen noch viele Klischees überwunden werden. Das geht nur durch aktives Gegensteuern von Politik, Gesellschaft und Arbeitgebern gleichermaßen. Nicht wenige der Frauen in der Branche halten dies für ein Generationenprojekt. Doch wer wettbewerbsfähig bleiben will, kann sich im Zuge zunehmender Digitalisierung und dem daraus resultierenden Fachkräftemangel, ein Verharren in alten Rollenbildern und etablierten Strukturen schon jetzt kaum mehr leisten.

In der ARTS Stellenbörse finden Sie eine Vielzahl spannender Jobs, auch in der IT-Branche. Senden Sie uns Ihre Bewerbung und werden Sie Teil des Branchenwandels.

Quellen: welt.de | deutschlandfunk.de | get-in-it.de | spiegel.de | faz.net | stern.de

Leistungen im Überblick

Services

Wir entwickeln Karrieren!

Jobs

20 Jahre erfolgreich!

Successbook