Silver Worker – eine tragende Säule in Unternehmen

30.07.2019 HR Services

Der demografische Wandel betrifft auch Unternehmen

Aktuell gehören mehr als ein Drittel der in Deutschland Beschäftigten zur Generation 50 Plus. Im Angesicht des demographischen Wandels sollten Arbeitgeber den Wert ihrer erfahrenen „älteren“ Mitarbeiter erkennen und entsprechende Maßnahmen ableiten, um für ihre Silver Worker attraktiv zu bleiben.

Die meisten Unternehmen kennen die Herausforderungen, die mit einer alternden Belegschaft einhergehen. Doch dieses Wissen mündet im Großteil der Fälle nicht in tatsächlichen Maßnahmen. Und auch wenn sich die Wahrnehmung verändert und die Relevanz der Thematik hoch ist, fehlen vielen Arbeitgebern konkrete Handlungsansätze, wie sie mit dieser Entwicklung umgehen sollen.

Was können Sie tun, um die Leistung, Arbeitsfähigkeit und Gesundheit Ihrer – vor allem älteren – Mitarbeiter zu fördern? Wie kann man den Bedürfnissen von jüngeren und älteren Beschäftigten in einem Unternehmen gleichermaßen gerecht werden?

Was Silver Worker bieten können

Die Generation 50 Plus vereint zahlreiche positive Eigenschaften von denen Unternehmen profitieren können. Sie haben nicht nur eine langjährige Berufserfahrung und ein hohes Fach- und Branchenwissen, sondern verfügen oftmals auch über ein großes berufliches Netzwerk mit persönlichen Beziehungen, welches sie sich über die Jahre aufgebaut haben. Generell wird den Silver Workern eine hohe Verantwortungsbereitschaft und Sozialkompetenz unterstellt. Ein weiterer entscheidender Vorteil der Generation 50 Plus ist die vermutlich abgeschlossene Familienplanung.

Zudem darf nicht in Vergessenheit geraten, dass die meisten ab 1964 Geborenen bis zu Ihrem 67. Geburtstag arbeiten und den Unternehmen damit auch noch bis zu 17 Jahre nach dem 50. Geburtstag zur Verfügung stehen können. Natürlich bei entsprechender Integration, Förderung und betrieblicher Gesundheitsfürsorge.

Erfolgreiche Integration der Generation 50 Plus

Die Digitalisierung und Demografie verändern die Arbeitswelt immens. Gerade für die Älteren – mit wenig technischem Verständnis – stellt die zunehmende Smart World eine große Herausforderung dar. Sich nach knapp 30 Jahren oder mehr im Berufsleben derart umzustellen und neue technische Aspekte zu erlernen, stellt für einige Silver Worker ein Problem dar. An diesem Punkt gilt es, die Kollegen mitzunehmen und sie mit Workshops und Weiterbildungen für die Digitalisierung fit zu machen. Hilfreich ist auch der generationenübergreifende Austausch zwischen den Jungen und Älteren. Die Natürlichkeit, mit der die Generation Y in der Smart World agiert, wird sich auch auf die Silver Worker auswirken. Zudem wird das gegenseitige Verständnis gefördert, denn jede Altersgruppe kann von der anderen lernen und der Teamgedanke wird gefördert.

Während also die jungen Kollegen die Alteingesessenen auf die Reise in die Welt der Digitalisierung mitnehmen, können sie von deren Erfahrung profitieren. Mit 55 Jahren ist so viel Know How und Berufserfahrung vorhanden, dass sich die jüngere Generation zahlreiche Kniffe abschauen kann und zukünftig auch davon profitiert – ebenso wie das Unternehmen, in dessen Interesse es sein sollte, vorhandenes Know How nicht zu verlieren.

Für eine erfolgreiche Integration ist es wichtig, die genauen Bedürfnisse der Zielgruppe 50 Plus zu kennen. Dabei ist auch einiges an Kreativität gefordert. In erster Linie geht es darum, dass die Mitarbeiter fit bleiben – fachlich als auch körperlich. Abhängig vom jeweiligen Mitarbeiter, wollen viele weiterhin gefördert werden und ihre Kompetenzen aufbauen und nicht auf das Abstellgleis geraten. Denn einen Wissensvorsprung liefern Silver Worker vor allem dann, wenn sie von Anfang in Entscheidungsfindungsprozesse einbezogen werden. Auch belastungsarme und ergonomische Arbeitsplätze fördern die Produktivität und senken das Gesundheitsrisiko. Weitere Möglichkeiten, um Mitarbeiter langfristig im Unternehmen zu halten, sind die Gewährleistung einer optimalen Work-Life Balance sowie flexible Arbeitszeitmodelle. Nicht zu unterschätzen ist ebenso die berufliche Anerkennung, die in jeder Altersklasse eine Basis für langfristige Beziehungen bildet, sowie die Gleichbehandlung im Rahmen der finanziellen Ausgleiche. Wenn junge Mitarbeiter geldwerte Vorteile erhalten, wie Kostenerstattung für Betreuungsplätze der Kinder, dann wäre es ebenso angemessen, auch die älteren in anderer Form zu berücksichtigen. Zum Beispiel in Form von Gutschein- oder Tankkarten.

Zu den Silver Workern gehören auch rentenberechtigte Mitarbeiter, die vor allem den Spaß und die geistige Herausforderung bei der Arbeit schätzen. Aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht hervor, dass bereits 2015 jeder dritte Betrieb versuchte, Mitarbeiter die Rentenanspruch haben, zu halten. Dies gelingt vor allem mit kürzeren und flexibleren Arbeitszeiten. Denn die Anforderungen an den Einsatz älterer Mitarbeiter sind hoch. Eine weitere Studie "Trendreport - Digititalisierung und Arbeitsmarkt 2018" macht das deutlich: die befragten Unternehmen fürchten vor allem die fehlende Flexibilität und das höhere Gesundheitsrisiko.

Doch auch hier liegt es an der Kreativität und dem Umsetzungswillen der Entscheider, wie Gesundheitsrisiken oder krankheitsbedingte Ausfälle reduziert werden können.

Gesundheit und Arbeit im Einklang

Um die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter länger zu erhalten, müssen natürliche altersbegleitende Veränderungen in Wahrnehmung und Motorik bei der Arbeitsgestaltung berücksichtigt werden. Denn heutzutage scheidet fast jeder dritte Arbeitnehmer frühzeitig aus dem Berufsleben aus. Eine Anpassung der Arbeitsbedingungen kann dem positiv entgegensteuern. Auch wenn das im ersten Moment Investitionen fordert, werden sich diese auf Dauer amortisieren, wenn Mitarbeiter bis ins höhere Alter leistungsfähig bleiben. Das Angebot gesundheitsunterstützender Trainings oder Workshops im Büro, das Fördern einer Mitgliedschaft im Sportverein und regelmäßige Arbeitsplatzuntersuchungen sind nur einige Maßnahmen, um seine Mitarbeiter zu motivieren.

So können im produzierenden Gewerbe unterstützende und interagierende Maschinen eingesetzt werden, die dem Mitarbeiter das Heben schwerer Lasten abnehmen. Dadurch werden falsche und gesundheitsschädigende Bewegungen vermieden und unter Umständen sogar die Effektivität gesteigert. Eine weitere Möglichkeit ist das Angebot der Job Rotation. Die Art der Arbeit, die Räumlichkeiten und Arbeitszeiten spielen dabei eine wichtige Rolle. Um einen monotonen Arbeitsalltag zu vermeiden, was für ältere Generationen auch eher belastend als entspannend ist, kann über einen regelmäßigen Wechsel der Arbeitstätigkeit nachgedacht werden. Dies fördert auch die kognitiven Fähigkeiten.

Produktivität auch im hohen Alter

Die Alterung der Gesellschaft macht Präventionsmaßnahmen notwendig. Generell bieten ältere Mitarbeiter zahlreiche Vorteile, die befürchtete Nachteile ausgleichen. So gleichen 40 Jahre Berufserfahrung eine möglicherweise geringere Geschwindigkeit bei der Informationsverarbeitung aus. Altern ist nicht gleich altern, wenn eine alter(n)sgerechte, belastungsarme und individuelle Arbeitsgestaltung gesichert ist. Vorteilhaft ist es, bereits sehr früh mit der ergonomischen und angepassten Arbeitsplatzgestaltung zu beginnen. Dies mindert zudem gesundheitliche Risiken für junge Mitarbeiter, hält sie fit und macht sie vor allem zufriedener, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigt. Demnach würden zwei Drittel der Mitarbeitenden gern bis zur Rente in einem Betrieb bleiben, wenn mindestens eine gesundheitsfördernde Maßnahme angeboten wird. Bei den Befragten ohne eine solche Maßnahme sind es nur gut die Hälfte.

Wer die Herausforderungen der Zeit erkennt und daraus geeignete Maßnahmen für sein Unternehmen und seine Belegschaft ableitet, wird zukünftig einen Schritt voraus sein und über einen deutlichen Wettbewerbsvorteil verfügen. Dazu kann es hilfreich sein, sich externe Expertise hinzuzuziehen, um die optimale Arbeitsumgebung für alle Beschäftigten zu schaffen.

Quellen: sozialpolitik.com | agentur-jungesherz.de | agile-unternehmen.de | agile-unternehmen.de 

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