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Perspektivenwechsel – Warum ein veränderter Blickwinkel dem Unternehmen gut tut

27.05.2022 2022/05

Just walk in someone else’s shoes – wenn es so einfach wäre, warum wechseln wir nicht viel häufiger die Perspektive? Ob nun aus dem inneren des Unternehmens nach außen, darauf blickend, von mir in eine Kollegin oder gar meine Führungskraft – es ist manchmal gar nicht so leicht eine andere Perspektive einzunehmen. All das benötigt eine tiefgehende Auseinandersetzung sowohl mit mir selbst, als auch mit dem Thema oder meinem Gegenüber.

Wieso braucht es Perspektivenwechsel?

Bei einem erst kürzlich stattgefundenes Ereignis hätte mir und meinen Kolleg:innen genau das geholfen. Bei der Planung unseres letzten Führungskräfteseminars ging es auch um die Gestaltung einer Aktivität am Abend. Da wir uns in der Sächsischen Schweiz getroffen haben, lag es nah, eine Wanderung durch und über die Felsen des Nationalparks zu planen. Die Beschreibung einer Route als „für Kinder geeignet“ reichte dabei für mich aus, um genau diese zu wählen. Auch den Kollegen teilte ich im Vorfeld mit, dass wir an einem Abend eine kleine Wanderung machen werden. Ich ging davon aus, damit sei alles gesagt – mir jedenfalls hätte das gereicht. Angekommen und den ersten Seminartag beendet, machten wir uns auf den Weg. Die erste Offenbarung – ein Kollege hat keine passende Wanderkleidung, geschweige denn Schuhe dabei, weil er herausgelesen hatte, dass wir einen gemütlichen Spaziergang machen. Nicht so schlimm, wir sind ja flexibel und der Weg ist für Kinder geeignet. Wir haben den Kollegen im Business Casual Look sammt Arbeitsschutzschuhen, die er glücklicherweise im Auto dabei hatte, überreden können die Strecke trotzdem mitzulaufen. Den ersten heiklen Punkt erreichten wir schon nach kurzer Laufstrecke über Wurzeln und Geröll. Vor uns ragte eine eiserne Leiter 5 Meter die Felswand hinauf. Bereits an dieser Stelle mussten einige Kolleg:innen schwer schlucken, dass es doch so schnell in die Höhe ging. Erschwerend kamen sehr enge und hohe Stellen über die Felsen hinzu. Einzelne Stationen zwischen den Felsen waren sogar zu eng für das Tragen des Rucksacks auf dem Rücken. Letztendlich ist aus dem gemeinsamen Ausflug in der Natur mit herausfordernden Stellen eine gar nicht so gemütliche Erweiterung der Komfortzonen einzelner Kolleg:innen verbunden mit der Prüfung des Teamgeistes geworden. Was hätte (m)eine erweiterte Perspektive schon bei der Planung geändert?

Unsere Arbeitswelt steht vor verschiedenen Herausforderungen. Nicht nur der Wandel vom Arbeitgeber- hin zum Arbeitnehmer:innenmarkt prägt diese Veränderung, sondern auch der Wunsch einer neuen Flexibilität, wenn es um Arbeit geht. Zur Auseinandersetzung mit diesen Themen und für neue Ideen benötigen wir auch hier an vielen Stellen einen Perspektivwechsel. Doch wie kann das aussehen? Wir haben uns dazu ein paar Gedanken gemacht, um Antworten und gute Gründe für den veränderten Blickwinkel zu finden.

Wie können wir die Perspektive wechseln?

Neue Ideen generieren wir oft ganz unbewusst. In der Forschung etabliert sich sogar die Ansicht, dass wir Langeweile aushalten, ja sogar herbeiführen dürfen, um kreativ zu sein. Das ist im Arbeitskontext eher schwierig vorstellbar. Wir können einen Perspektivwechsel allerdings mit verschiedenen Methoden aktiv fördern. 

Auf der persönlichen Ebene. 

Insbesondere auf sich selbst bezogen, kann der Perspektivwechsel eine wirkungsvolle Methode für neue Erkenntnisse, eigenes Wohlbefinden und eine veränderte Selbstwahrnehmung sein. Unser Gehirn ist darauf spezialisiert die Komplexität unserer Umwelt, die unaufhörlich auf uns einprasselt, zu reduzieren. Dazu nutzt es die bekannten Gedankenautobahnen, die sich über unser gesamtes Leben gebildet haben. Sie sind effizient, funktionieren ohne Überraschungen und vor allem sparen sie Energie. All das zum Preis einer sehr selektiven Wahrnehmung mit ähnlichen Vorgängen und wenig Kreativität. Wir laufen sozusagen die meiste Zeit mit Scheuklappen durch die Welt.  

Auf der persönlichen Ebene sind wir zudem häufig unser größter Kritiker. Warum nicht einfach hier schon einmal im Selbstgespräch die Perspektive wechseln – ja das hilft – was würden Sie einer guten Freundin oder einem guten Freund, einer Kollegin oder einem Kollegen raten? Denn aus Gedanken werden Worte, werden Taten.

Selbst wenn der Anspruch an uns selbst der höchste ist, werden wir dieses Anspruchsdenken im Miteinander nie ganz ablegen können. So passiert es, dass sie beim Planen einer gemütlichen Wanderung zum Abschluss eines Seminartages völlig außer Acht lassen, dass nicht jeder das Abenteuer sucht oder sich selbst gern herausfordert und eigene Ängste problemlos überwindet. 

Vor allem in Teams, d.h. im Zusammenspiel untereinander oder zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden ist es ein großer Gewinn, wenn jeder Einzelne immer mal wieder den eigenen Blickwinkel erweitert. Zugleich schafft es Verbundenheit im Team, wenn wir einfach mal hinterfragen, wie etwas durch die Kollegen und Kolleginnen wahrgenommen wurde. Das ist ein wichtiger Schritt hin zur psychologischen Sicherheit in Teams und dient genauso dem Auflösen von Konflikten. Denn es schafft Raum für den Austausch, für ganz andere Blickwinkel, macht Empathie erlebbar und liefert Denkanstöße sowie das Potential im Team ganz neue Lösungen zu finden. 

Auf unternehmerischer Ebene.

Wer auf Unternehmensebene schaut, bekommt oft gesagt, dass wir über den Tellerrand hinaus blicken dürfen, um zukunftsrelevante und strategische Entscheidungen treffen zu können. Ganz praktisch gedacht – wer glaubt, dass für deutsche Fluggesellschaften die größte Konkurrenz durch billig Airlines aus dem Ausland besteht, hat noch nicht an die Anbieter von Video-Kommunikationsplattformen gedacht. Insbesondere diese dynamischen Marktveränderungen sowie Krisen oder gar Kriege fordern heutzutage eine erhöhte Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Mit Hilfe eines methodisch fundierten Perspektivwechsels können sie diesem Innovationsdruck im ersten Step auf einer kreativen Ideenebene begegnen. 

Beim Zufallsprinzip werden beispielsweise Zufallsinputs aus den Kategorien Bilder, Wörter, Personen, Fanatsiefiguren gewählt. Nehmen wir an Sie planen ein Mitarbeiterevent und der Input wäre „Wasser“ – welche Aktivitäten haben mit Wasser zu tun? Diese Variante eignet sich für offene Fragen, die eine breite Palette an ersten Vorschlägen zulässt. 

Wirksamer im Unternehmenskontext kann die Personen oder Wettbewerberperspektive sein. Zum Beispiel: „Was würde Tim Cook, Cawa Younosi, Magdalena Rogl oder Angela Merkel tun?“ oder wie im Beispiel oben „Wie würde Zoom, Die neue Narrative oder SAP das Problem lösen?“

Natürlich können auch Richtungen eine Perspektive vorgeben. Ob in die Zukunft oder die Vergangenheit, von innen oder von außen, auf die Menschen oder die Prozesse, all diese Hüte bzw. Brillen verändern den Blickwinkel mit dem wir Herausforderungen betrachten. Bei Hüten fällt Ihnen vielleicht auch die Methode der sechs Hüte nach De Bono ein. Bei der eine Herausforderung aus sechs verschiedenen Perspektiven betrachtet wird. 

Sie arbeiten somit über den Hutwechsel an verschiedenen Lösungsoptionen und neuem Input für das Unternehmen bzw. ihre Kunden.

Ein Kopfstand für den gelungenen Perspektivenwechsel

Wie jetzt Kopfstand? Neudeutsch wird die Methode auch „Reverse Brainstorming“ genannt, eignet sich sowohl auf persönlicher, als auch unternehmerischer Ebene. Ob allein oder im Team, es ist eine wunderbare Methode und kommt unserer oft problemorientierten Denkweise sehr entgegen. Insbesondere bei der Suche nach Antworten oder möglichen Schwierigkeiten, hilft es uns, wenn wir Fragestellungen „auf den Kopf stellen“. Unser Gehirn ist oftmals schon darauf programmiert Fehler, Risiken und Probleme zu erkennen. Hierbei machen wir uns genau dies zu Nutze. Beispiele wie:

  • Wie bringen wir das Projekt zum Scheitern?
  • Wie machen wir unsere Mitarbeiter so richtig unglücklich?
  • Wie bleiben unsere Werte nur Floskeln?
  • Wie vernachlässigen wir die Wünsche unseres Kunden am besten?
  • uvm. - Was ist Ihr Beispiel?

Für jede dieser Fragen fallen uns verschiedene Antworten ein. Lassen Sie es wirken und sich so richtig hineinfallen. Anschließend können für jede Antwort positive Handlungsimpulse und To Do’s abgeleitet werden, welche wiederum zum Erfolg des Projektes, der Mitarbeiterzufriedenheit, einer werteorientierten Unternehmung oder der Übererfüllung von Kundenwünschen beitragen. 

Fazit: Wer profitiert am meisten?

Was sich herauskristallisiert ist, dass wir über verschiedenartige Fragestellungen an uns selbst oder im Team zu neuen Perspektiven gelangen. Letztendlich war auch unsere Wanderung kein Desaster. Gleichzeitig kann der fehlende Perspektivwechsel zum echten Stimmungskiller respektive sogar zum Vertrauensverlust in den Kollegen oder die Kollegin bzw. in anderen Beispielen auch in die Führungskraft führen. Wieso? Viele von uns haben es sicher schon viele Male erlebt, dass sie sich nicht verstanden fühlen. Das hat aus meiner Perspektive weniger mit Rücksichtnahme zu tun, sondern viel mehr mit der Wertschätzung meines Gegenübers. Die Erfragung sowie Anerkennung seiner Erfahrungen und Prägung sowie meinem Interesse an meinen Kolleg:innen. 

Durch die Selbstreflexion und Akzeptanz, vielleicht sogar dem gegenseitigen Verständnis erarbeiten wir uns eine wichtige Grundlage für den Erfolg. Erfolg für einen selbst, im Team, im Unternehmen und schlussendlich für die Kunden, weil wir es in die tägliche Arbeit integrieren können, Potentiale damit heben plus neue Lösungsoptionen in Betracht ziehen.

Zum Schluss noch ein kleines praktisches Gedankenexperiment. Stellen Sie sich einfach einmal vor, Sie hätten noch nie einen Elefanten gesehen oder jemals davon gehört. Jemand verbindet Ihnen die Augen, sodass Sie ganz auf alle anderen Sinne angewiesen sind. Sie treten an das Unbekannte heran und können erst einmal nur fühlen. Nun fassen Sie nach etwas an diesem unbekannten Objekt. Vielleicht ist es einer der Stoßzähne, was Sie allerdings nicht wissen können. Welches Bild entsteht in Ihrem Kopf, wenn Sie nur diesen Ausgangspunkt haben? Sie können nur beschreiben, was Sie fühlen. Gleichzeitig entsteht eine Vermutung, sie gleichen es ab mit Ihren Erfahrungen. Was könnte es sein? „Ah, es fühlt sich an wie eine Spitzhacke!“ 

Unsere Perspektive auf uns und die Umwelt ist geprägt durch unsere Erfahrungen, Erfolge, Misserfolge, aber auch unsere Bezugspersonen aus der Kindheit. Das und vieles mehr prägt, wie wir die Dinge wahrnehmen. An manchen Stellen ist es sogar ganz offensichtlich eher eine Wahrnehmung. Diese Erkenntnis hilft insbesondere Führungskräften im Führungsalltag und wird durch den Perspektivwechsel in Führungskräftecoaching oftmals aktiv herbeigeführt. Uns allen gleich ist, dass wir den Blick öffnen dürfen. Ein Elefant besteht nicht nur aus Stoßzähnen und ihn als Arbeitsgerät zu erfassen, ist eben nur ein Teil des vollständigen Bildes. Dabei lohnt es sich auch andere Blickwinkel in die Betrachtung einzubinden, denn davon profitieren wir selbst am meisten. Wie oft fragen Sie Ihre Kolleg:innen oder gar Ihre Führungskraft im Alltag – wie hast du/haben Sie das wahrgenommen?“

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