Diversität ein Erfolgsrezept?

27.10.2020 2020/10

Diversität ein Erfolgsrezept?

“Frauen sind die besseren Fondsmanager” - Vielleicht haben Sie es ja auch gelesen. Vor ungefähr vier Wochen erreichte uns diese Meldung aus sämtlichen Nachrichtenhäusern des Landes. Hintergrund war eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs. Darin wurde herausgefunden, dass Fonds, die ausschließlich von Frauen betreut wurden in den vergangenen Monaten besser performten, als jene ihrer männlichen Kollegen. Ebenso verhielt es sich bei Fonds gemischtgeschlechtlicher Management-Teams.

Haben Sie auch das Gefühl, dass wir solche Schlagzeilen in der letzten Zeit immer häufiger lesen? Frauenquote, Altersdiskriminierung, Aufstiegschancen. Die Liste an Schlagworten ist lang und meist geht es dabei um ein und dasselbe Thema: Beteiligungsmöglichkeiten. Vor allem für jene, die aktuell in vielen Positionen noch unterrepräsentiert sind. Oder kurz gesagt: Diversität.

Allgemein bedeutet Diversität nichts anderes, als Vielfältigkeit. In Bezug auf Teams, Abteilungen und Unternehmen heißt das, dass Menschen beteiligt sind, die unterschiedliche Eigenschaften und Hintergründe haben. Sei es das Geschlecht, die Herkunft, der Bildungsabschluss oder das Alter. Es geht dabei aber auch um Werte und Einstellungen die einzelne vertreten und Unterschiede in der Tätigkeit, die sie ausüben. Doch warum sollte uns dieses Thema überhaupt interessieren? Schauen wir uns dafür einige Beispiele aus der Wirtschaft an.

Kleine Veränderungen - Große Wirkung

Von den US-amerikanischen Spitzenorchestern haben Sie sicher bereits gehört. Diese spielten bis in die 70er Jahre hinein fast ausschließlich in männlicher Besetzung, obwohl auch Frauen zugelassen waren. Ein Umstand, der sich änderte, als das Bostoner Symphonieorchester das Vorspiel der Bewerberinnen und Bewerber hinter einen Vorhang verlegte. Der Frauenanteil stieg von 5 auf 40 Prozent. Eine Verachtfachung des Frauenanteils, durch so eine einfache Umstrukturierung? Eventuell werden Sie sich jetzt fragen, welche Stellschrauben es in Ihrem Unternehmen gibt, die zu einer solch großen Veränderung führen könnten. 

Und damit sind wir bereits beim ersten Aspekt, der Diversität zu einem so anspruchsvollen Thema macht: Strukturen müssen neu gedacht werden. Nicht immer ist es nur ein einfacher Vorhang, der die Beteiligungsmöglichkeiten bestimmter Gruppen erhöht. Manchmal müssen betriebliche Prozesse von Grund auf erneuert werden - Bewerbungsprozesse beispielsweise. So wurde in unzähligen Studien festgestellt, dass diejenigen, die die Bewerberinnen und Bewerber auswählen dazu neigen, genau die auszuwählen, die ihnen selbst am ähnlichsten sind. Das betrifft Einstellungsverfahren ebenso wie interne Auswahlprozesse, beispielsweise Beförderungen bei Abgängen der Abteilungsleitung.

Ein Zustand den auch viele Unternehmen in Deutschland bereits erkannt haben. So schlossen sich rund 2.500 deutsche Unternehmen im Jahr 2006 zur sogenannten “Charta für Vielfalt” zusammen. Ihr Ziel ist dabei, die Beteiligungsmöglichkeiten aller zu erhöhen, unabhängig von persönlichen Eigenschaften. In einer Umfrage konnte ermittelt werden, dass zwei Drittel der Unternehmen Vielfalt als Chance verstehen und trotzdem ein ebenso großer Anteil noch kein aktives Diversity Management betreibt. Wenig überraschend konnte darüber hinaus festgestellt werden, dass 95 Prozent der Unternehmen Frauen im Mittelpunkt dieser Entwicklung sehen.

Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Das Credit Suisse Research Institute stellte beispielsweise im vergangenen Jahr fest, dass Firmen, mit überdurchschnittlich hohen Frauenquoten in Führungspositionen eine erheblich bessere Entwicklung des Aktienkurses einfahren konnten, als jene deren Quote unterhalb des Durchschnitts lag. Und trotzdem saß in nur 55 von 160 Vorständen börsennotierter deutscher Unternehmen überhaupt eine Frau. Die Wirtschaftszeitschrift brand eins fand in diesem Kontext heraus, dass von den 105 übrigen Unternehmen auch nur 52 gewillt sind, bis Ende des kommenden Jahres etwas daran zu ändern.

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Das ARST Sales Team besteht derzeit aus 8 Mitgliedern.

Mit Vielfalt durch die Krise

Dabei gab es nie einen besseren Moment, um sich für eine größere Diversität einzusetzen als heute. In dieser Zeit der Covid-19-Pandemie wird vieles in frage gestellt, was für uns alle lange ganz selbstverständlich war. Produkte und Prozesse werden neu gedacht und innerbetriebliche Strukturen überarbeitet. In vielen Unternehmen wird aktuell jeder Stein umgedreht, um mit neuer Kraft aus der Krise zu kommen. Ein starkes Diversity Management könnte an dieser Stelle helfen.

Denn heterogene Teams sind erfolgreicher. So fand das Beratungsunternehmen McKinsey 2018 heraus, dass Firmen, die durch einen überdurchschnittlichen Grad an Diversität geprägt sind eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit haben, auch überdurchschnittlich erfolgreich zu sein. Eine besondere Bedeutung konnte abermals für Frauen im höheren Management festgestellt werden. Doch auch in anderen Aspekten zahlt es sich aus, wenn auf mehr Unterschiedlichkeit gesetzt wird - besonders in Deutschland. Hier konnte das Beratungsunternehmen im internationalen Vergleich sogar einen doppelt so hohen Einfluss feststellen. Untersucht wurden dabei Diversitätsmerkmale wie Geschlecht, Ethnien sowie der Ausbildungs- oder Wissenschaftshintergrund. 

Sie sehen: Die Grundlage scheint ziemlich eindeutig zu sein. Diversität ist ein Erfolgsfaktor in jeder Hinsicht. Vielleicht haben Sie das bereits selbst festgestellt. In Teams, in denen sich die einzelnen Beteiligten durch unterschiedliche Eigenschaften auszeichnen wird häufig anders gedacht und agiert. Man bricht aus etablierten Denkmustern aus und profitiert von den Ansichten und Ideen der anderen. Nicht umsonst setzen viele Unternehmen schon heute bei der Entwicklung von Produkte auf externe Unterstützung, sei es im Test durch die Kundinnen und Kunden oder die Beratung durch andere Unternehmen. Der Blick von außen kann helfen, mögliche Defizite aufzudecken und so Optimierungspotenziale offenzulegen. Ebenso verhält es sich mit der Arbeit in Teams. Wir sind erfolgreicher, je mehr verschiedene Sichtweisen wir in unsere Arbeit einfließen lassen. Dabei geht es nicht nur um Kreativität, sondern auch um den tatsächlichen Output. 

Chancen nutzen - Risiken minimieren

Doch Vielfältigkeit birgt nicht nur Chancen, auch die Risiken müssen gut gemanagt werden. So entsteht selbstverständlich durch verschiedene Ansichten auch ein Konfliktpotential, wodurch Reibungsverluste drohen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt hier in einer offenen und transparenten Unternehmenskultur, in der unterschiedliche Sichtweisen nicht als Gefahr, sondern als Chance begriffen werden. Auch Themen wie Feedbackkultur und Vertrauen sind hier ausschlaggebend. Damit all das möglich wird, müssen wir uns verändern.

Das bedeutet nicht, dass Fonds demnächst nur noch von Frauen gemanagt werden, oder bei Vorstellungsgesprächen ein Vorhang zwischen den Beteiligten hängen sollte. Vielmehr sollten wir uns bewusst machen, dass wir durch Menschen, die anders sind, denken und handeln als wir selbst dazulernen können. In einer Zeit des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels ein echtes Erfolgsrezept. Und die beste Zeit es umzusetzen ist, wie immer: Jetzt.

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