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Steigerung der Produktivität: Wie kommen wir gelassen in den Flow?

24.08.2021 2021/08

Steigerung der Produktivität: Wie kommen wir gelassen in den Flow? 

Im “Flow-Sein” oder den “Flow-Zustand erleben” - darauf arbeiten in unserer Leistungsgesellschaft viele Arbeitnehmer hin.  Wir haben uns mit Christopher Buschor unterhalten und er sagt “Ein Flow-Zustand ist zwar wünschenswert, jedoch absolut nicht nötig, um gelassen produktiv zu sein bzw. ist bereits der Weg dorthin sehr wertvoll”. Wie das geht und wie dieser Weg aussehen kann, lest ihr hier.

Hallo Christopher, zu Beginn starten wir gerne mit ein paar Fragen, um Dich besser kennenzulernen. 

Wie war das bei dir? In meiner Kindheit/Jugendzeit gab es...  

  • Gameboy oder Tablet?

“Gameboy und einige Zeit habe ich dabei mit Pokémon verbracht, die im Schulbus via Kabel mit Freunden von Gameboy zu Gameboy begeistert getauscht wurden. Bei dem Begriff Tablet hätte noch jeder an eine Servierhilfe gedacht und es sich kaum vorstellen können, solch einen flachen Bildschirm in Händen zu halten mit mehr Rechenleistung als alle Computer im Haushalt oder aller Haushalte der Nachbarschaft zusammen.”

  • Walkman oder Mp3-Player

“Ich kenne noch den Walkman mit mühsam auf Kassette aufgezeichneten Songs aus der Hitparade und viel vor- und zurückspulen. Ich bin dann aber immer schnell auf die jeweils neueste Technik umgestiegen und aktuell sehr dankbar, wie unkompliziert das Musikhören jetzt mit einem einzigen Streaming-Dienst ist, immer verfügbar, egal ob im Auto, Wohnzimmer oder Smartphone.”

  • Draußen spielen oder vorm Computer sitzen?

“Als Kind sehr viel im Garten, am See, im Wald und allgemein der Natur, oft von morgens bis abends. Leider war die Faszination der digitalen Welt während meiner Jugendzeit doch so stark, dass der „e-Sport“ den „realen Sport“ und Bewegung an der Natur vorübergehend etwas verdrängt hatte.”

  • Was wolltest du als Kind mal werden?

“Spannenderweise würde ich sagen, dass ich als Kind, ohne, dass ich damals eine Berufsbezeichnung dafür hätte nennen können, Coach & Trainer im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung werden wollte. Die Frage nach dem Sinn, wer ich eigentlich wirklich bin, was mich ausmacht und von anderen unterscheidet und wie ich „alles“ erreichen könnte, aber ohne Stress sondern in Leichtigkeit und mit Freunde war ganz zentral, bereits während meiner frühen Kindheit. Meine Erkenntnisse und Ideen wollte ich auch stets weitergeben und darüber philosophieren, auch wenn meine damaligen Freunde alterstypisch definitiv anderes im Kopf hatten und wenig dafür zu begeistern waren. Entsprechend habe ich das dann im Wesentlichen mit mir selbst ausgemacht und zunächst nie daran gedacht, mich beruflich damit zu beschäftigen. Nach einem Umweg als Softwareingenieur in der Raumfahrt, bin ich nun seit einigen Jahren genau dort angekommen, wo ich als Kind schon immer hinwollte.

Unser Thema heute ist der Widerspruch oder vielleicht doch kein Widerspruch aus Produktivität und Gelassenheit was bedeutet für dich einerseits Produktivität und andererseits Gelassenheit?

“Produktivität bedeutet für mich, etwas, bzw. möglichst viel, mit minimalem Aufwand - ob zeitlich oder in anderer Hinsicht - zu erreichen. Natürlich ohne, dass ich mich dadurch mit weniger Qualität zufriedengebe oder sonst irgendwelche negativen Begleiterscheinungen in Kauf nehme. Das Ergebnis können irgendwelche physischen Produkte sein, aber genauso auch mentaler Natur, also verschiedene Ideen, Konzepte, Lösungen, Erkenntnisse.

Gelassenheit bedeutet für mich eine innere Ruhe und vor allem auch in schwierigen Situationen besonnen denken und handeln zu können und sich nicht in der Situation zu verlieren. „Gelassen“ im Urlaub am Strand liegen zu können ist für mich keine Gelassenheit. Ich behaupte, wahre Gelassenheit kannst du gut in herausfordernden Situationen daran erkennen, wie viel Widerstand du gegenüber der Situation verspürst. Das bedeutet natürlich nicht, dass du die Situation gutheißen musst oder nicht verändern möchtest. Es bedeutet allein die Akzeptanz dessen was ohnehin ist.

Die Grundlage einer sinnvollen Gelassenheit sehe ich in erstens, dem Annehmen was ist. „Was ist, das ist“. Dieser Satz ist so einfach und für die allermeisten Menschen dennoch so schwer. Dale Carnegie hat es mal verglichen mit dem Versuch Sägemehl zu sägen. Niemand käme auf die Idee, Sägemehl sägen zu wollen. Es ist ja bereits gesägt worden. Und doch versuchen so viele Menschen genau das, wenn sie versuchen die Vergangenheit zu verändern, die z.B. zu einer unzufriedenstellenden aktuellen Situation geführt hat.

Nach der Akzeptanz der Gegenwart folgt dann zweitens die Überprüfung, ob ich etwas daran verändern will und kann. Viele Menschen vergeuden unglaublich viel Energie, indem sie versuchen Dinge zu ändern oder sich darüber zu beklagen, die sie gar nicht verändern können. Als alltägliches Beispiel braucht man sich nur einmal anzuhören, wie viele Menschen sich über das Wetter beklagen. Das ist natürlich vergleichsweise harmlos und gesellschaftlich sehr anerkannt, doch das Prinzip ist genau das gleiche. Du bist im Widerstand mit dem was gerade ist und du obendrein nicht beeinflussen kannst – das Gegenteil von Gelassenheit.”

Was kann Gelassenheit Deiner Meinung nach für die individuelle Produktivität bedeuten? ODER Und wie funktioniert jetzt die Kombination aus Produktivität und Gelassenheit?

“Genau, wie hängen die beiden Bereiche nun zusammen und worin könnte man einen Widerspruch erkennen? Die Hauptursache, dass Menschen darin einen Widerspruch erkennen, sehe ich darin, dass das Wort Gelassenheit häufig mit Trägheit oder Faulheit verwechselt wird. Bei Gelassenheit geht es NICHT darum, aus Prinzip alles so sein zu lassen, wie es gerade ist und nichts mehr verändern zu wollen. Natürlich bedeutet Gelassenheit schon, gewissen Dingen weniger Aufmerksamkeit zu schenken und sie auch mal sein zu lassen. Angenommen ich sitze im Büro und bin andauernd abgelenkt von den verschiedensten Dingen, dann könnte Gelassenheit bedeuten, Störquellen auszustellen oder ihnen weniger Beachtung zu schenken. Kollegen, die sich laut unterhalten könnte ich zum Beispiel entweder bitten, sich leiser oder woanders zu unterhalten oder aber durch meine hohe Gelassenheit stört es mich kaum noch und es fällt mir leicht, mich nicht davon ablenken zu lassen. Und schon bin ich bei der Kombination von Produktivität und Gelassenheit. Hier eine Gelassenheit die zu mehr Produktivität führt. Also kein Widerspruch, sondern das Gegenteil. Dadurch, dass ich Ablenkungen reduziere und ihnen gelassener begegne, bin ich produktiver, da ich konzentrierter meiner eigentlichen Tätigkeit nachgehen kann. Und dadurch, dass ich weniger abgelenkt meiner Tätigkeit nachgehe, entsteht weniger Stress, ich erreiche mehr, es sind weniger häufig Überstunden nötig und all das führt wiederum zu mehr Gelassenheit. Eine wechselseitige Verstärkung. Ist das nicht wunderbar?

Das war nur ein Beispiel, verdeutlicht aber die Produktive Gelassenheit sehr gut. Denn die Produktive Gelassenheit ist mehr als die Summe von Produktivität und Gelassenheit. Die Summe wäre, hart zu arbeiten, sich vielleicht immer wieder ablenken und stören zu lassen, durch Überstunden die geringere Produktivität im Gesamten wieder steigern zu wollen, und sich im Anschluss davon zu erholen, also gelassen zu sein. Viele Menschen praktizieren genau das. Sie Arbeiten den ganzen Tag hart und fallen abends erschöpft und müde auf die Couch. Sie tanken Kraft im Urlaub und am Wochenende, um dann wieder fit für die Arbeit zu sein und sich dort die Energie erneut rauben zu lassen. „GSDF – Gott sei Dank Freitag“ motivierte der größte bayerische Privatradiosender stets zum Wochenende: Also die anstrengende Produktivität (die häufig gar nicht so produktiv war) beenden, zwei Tage erholen und dann… Ohje, Montag, Gelassenheit adé, das Ganze wieder von vorne. Dass das keine zufriedenstellende Lösung ist, ist – hoffentlich - offensichtlich.”

Wir haben im Vorfeld schon kurz darüber philosophiert. Gelassenheit hat im Business-Umfeld ja oftmals noch einen schlechten Ruf bzw. gar keine Berechtigung. Was meinst Du woher das kommt und wieso das noch heute so ist?

“Meiner Meinung nach existieren noch sehr viele falsche und sehr hinderliche Glaubenssätze, also als wahr angenommene Tatsachen, die nicht hinterfragt werden. „Richtige Arbeit ist hart und anstrengend“ oder „wer einen verantwortungsvollen Job hat und stets tief entspannt und zufrieden ist, der nimmt seinen Job nicht ernst“ sind typische Beispiele. Vor allem bei uns im deutschsprachigen Raum erlebe ich das ganz stark so. Der Kollege oder die Kollegin, die immer gut gelaunt und tief entspannt ist, ist den allermeisten mindestens suspekt. Unbewusst mögen manche einfach neidisch sein oder sie sind eben tatsächlich der Überzeugung, dass sie nur deshalb so gut gelaunt und entspannt sein könne, weil sie nicht produktiv sei und die Arbeit nicht ernst nehme.

Ich selbst habe es häufig erlebt, dass Kollegen sehr irritiert auf meine Gelassenheit reagiert haben und mir, auch wenn sie es nicht direkt so gesagt haben, zunächst Faulheit oder eine Gleichgültigkeit unterstellt haben. Auf die häufige Frage, was ich den gerade zu tun hätte und woran ich arbeiten würde, erwarteten sie wohl, mich zu ertappen. Doch als ich ihnen dann erzählte, was ich bereits alles erledigt hatte, woran ich gerade arbeite und was aktuelle Herausforderungen sind, waren sie meist sehr überrascht und letztlich folgte immer ein: „Oh, beeindruckend, wie gelassen du dabei bleiben kannst, so wäre ich auch gerne“.

Der schlechte Ruf von Gelassenheit steigt meiner Erfahrung nach häufig mit zunehmender Verantwortung der Person. Für Menschen, die eine verantwortungsvolle geschäftliche Position innehaben, wird Stress häufig als notwendige Begleiterscheinung angesehen. Von den Menschen selbst, als auch in der gesellschaftlichen Beurteilung. Mitunter ist es sogar so, dass einem der tief entspannte Unternehmensleiter oder einflussreiche Politiker suspekt vorkommt: „Der arbeitet wohl nicht richtig! (Wenn er seinen Job richtig machen würde, wäre er nicht so entspannt!)“ Spätestens in Krisenzeiten, wenn ein Unternehmen kurz vor der Insolvenz steht oder Politiker sich mit äußerst schwierigen Situationen konfrontiert sehen, wird eine zu entspannte Haltung der in der Verantwortung stehenden Personen oft wenig toleriert und als Gleichgültigkeit oder Unfähigkeit interpretiert. Ganz anders sieht es bei Menschen aus, welche einer weniger verantwortungsvollen Tätigkeit nachgehen. Ist ein LKW-Fahrer einer Baufirma beispielsweise stets gut gelaunt und entspannt, wird ihm vermutlich niemand vorwerfen, er würde seinen Job nicht richtig machen. Klagt ein Verwaltungsangestellter, dessen einzige Tätigkeit es ist, Unterlagen zu sortieren und weiterzuleiten, über Stress, wird ihm meist wenig Verständnis entgegengebracht.

Dass unter Stress getroffene Entscheidungen oft problematisch sind, da das Gehirn dabei unter anderem kognitiv weniger leistungsfähig ist, auf Kampf oder Flucht vorbereitet und rationale Entscheidungen für gerade als unnötig erachtet, ist dir vielleicht bekannt. Wie sind nun die Auswirkungen von schlechten Entscheidungen eines Unternehmensleiters oder eines einflussreichen Politikers? Die Auswirkungen können verheerend sein – über Leben und Tod, Krieg oder Frieden entscheiden! Wie sind die Auswirkungen des LKW-Fahrers? Naja, vielleicht trifft er mit einer Ladung Kies zu spät oder auf einer falschen Baustelle ein. Das ist ärgerlich, aber die Auswirkungen halten sich in Grenzen.

Es sollte doch also genau umgekehrt sein: Gerade Menschen mit hoher Verantwortung sollte kein Stress „zugestanden“ werden oder gar als positiv angesehen werden. Dazu ist häufig ein Umdenken nötig. Dazu meinen Beitrag zu leisten ist wesentlicher Bestandteil meiner Mission, mehr Produktive Gelassenheit in die Arbeitswelt zu integrieren. Stress bzw. mangelnde Gelassenheit ist kein Ausdruck von produktiver Arbeit – im Gegenteil!”

Wenn es um Produktivität geht, wünschen sich viele ja den viel diskutierten Flow-Zustand. Was ist das eigentlich aus Deiner Sicht und ist das wirklich so erstrebenswert?

“Ich denke, jeder hat schon mal diesen Zustand erlebt. Nachdem du lange Zeit konzentriert einer Tätigkeit nachgegangen bist, die dich in genau richtigem Maße gefordert hat, blickst du auf die Uhr und wunderst dich, wie spät es schon ist. Du hast die Zeit total vergessen, warst versunken in deiner Tätigkeit und hast dabei sehr viel erreicht. Obendrein ist der Zustand häufig geprägt von einem starken Gefühl der Zufriedenheit.

Ja, der Flow-Zustand ist wirklich sehr erstrebenswert. Aber, und das kann ich gar nicht genug betonen, auch der Weg zum Flow-Zustand ist sehr wertvoll. Manche Menschen stellen sich das so vor als ob dann irgendwann ein Schalter umgelegt würde, sie dann plötzlich produktiv im Flow-Zustand wären und es zunächst nur darum ginge, an diesen Schalter zu gelangen. Doch genau das kann sogar sehr hinderlich sein. Wenn nämlich der Fokus darauf liegt an den Schalter zu gelangen, dann ist die Konzentration eben nicht mehr voll bei der Tätigkeit in die sie versinken möchten, sondern beim Schalter. Außerdem finde ich den Begriff des Flow-Zustandes etwas irreführend. Er suggeriert doch, dass es den einen Zustand des Flows gäbe. Meiner Erfahrung nach ist es jedoch eine stetige Steigerung der Konzentration, der Versunkenheit der Ablenkungsfreiheit, … Diesen Schalter gibt es nicht. Es ist mehr ein Drehknopf, der einen Grad der Versunkenheit oder des Flows repräsentiert. Für die Praxis finde ich das etwas sehr Angenehmes. Es gibt keinen Schalter zu finden, das Einzige, was du tun darfst, ist es in Produktiver Gelassenheit zu arbeiten und alles andere ist die natürliche Folge, wie eben auch das vermehrte und intensivere Auftreten von Flow-Zuständen, wenn man es so nennen möchte.”

Was glaubst du braucht es aktuell, um sowohl produktiv, als auch gelassen zu sein?

“Es braucht viel weniger, als die meisten Menschen vermuten würden. Einige Klienten erzählen mir von den verschiedensten Techniken, Büchern, die sie gelesen haben, Seminare, die besucht haben, usw. und dennoch gelingt es vielen nicht, jetzt endlich wirklich produktiv oder gelassen zu sein.

Die Voraussetzung - und das ist vielen nicht bewusst - ist, dass du dir erlaubst, produktiv und gelassen zu sein und dich ganz bewusst dafür entscheidest. Vermutlich sagen jetzt viele Menschen: Natürlich erlaube ich mir produktiv und gelassen zu sein, alles andere macht doch keinen Sinn. Bewusst mag das sogar so sein, doch viele tragen leider einen unbewussten Widerstand in sich, den sie „nur“ als Gefühl wahrnehmen oder auch gar nicht. Ich hatte gerade schon Glaubenssätze angesprochen und genau daraus kann dieser Widerstand resultieren. Wenn jemand nicht für die Tatsache bereit ist, dass er gleichzeitig produktiv und gelassen arbeiten könne, dann wird sein Unterbewusstsein alles dafür tun, dass es auch so bleibt. Gerade wenn ich mit Teams oder Gruppen zusammenarbeite, kann ich natürlich nicht, wie im persönlichen Coaching, auf alle individuellen und oft auch noch sehr unbewussten Widerstände eingehen, doch zumindest das Verständnis für die Produktive Gelassenheit und die Motivation für eine bewusste Entscheidung, produktiv und gelassen arbeiten zu wollen, ist ganz entscheidend. Meiner Erfahrung nach ist das bereits meist ausreichend, um wirklich eine Veränderung herbeizuführen. Aber ohne das Verständnis und entsprechende Motivation durch den bloßen Versuch verschiedene Techniken anzuwenden, wird es schwierig für wirkliche Veränderung.”

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About the Author
Nadia Döhler | Organisational & HR Consulting
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