Jobsharing – neues Arbeitszeitmodell

14.02.2019 Karrieretipps

Jobsharing als Teilzeit der Zukunft?

Flexible Arbeitszeiten stehen auf der Wunschliste der Arbeitnehmer ganz weit oben, denn so können Beruf und Freizeit besser miteinander kombiniert werden. Eine 40-Stunden-Woche mit Kernarbeitszeiten bietet nur bedingt Flexibilität. Arbeitnehmer, die aus vielerlei Gründen beruflich kürzer treten müssen oder wollen, bleibt da oft nur die Option der Teilzeit, mit der in der Regel auch finanzielle Einbußen einhergehen. Zudem kann dies auch zu Spannungen mit dem Arbeitgeber führen, der zwar verpflichtet ist, Teilzeit zu ermöglichen, jedoch vielleicht trotzdem einen höheren Arbeitsaufwand und somit Bedarf an geleisteter Arbeitszeit hat. Das muss aber nicht unbedingt sein, wenn sowohl Arbeitnehmer, als auch Arbeitgeber bereit sind, ein innovatives Arbeitszeitmodell zu etablieren. Das Jobsharing findet in diesem Zusammenhang immer öfter Anwendung.

Unternehmen, wie SAP, Daimler oder Bosch, machen Jobsharing auch in Führungsetagen vor. Jobsharing, was ist das? Kurz gesagt, handelt es sich dabei klassischerweise um die Teilung einer Vollzeitstelle auf zwei (oder mehrere) Arbeitnehmer (Job-Sharer oder Tandem-Partner). Die Mitarbeiter besetzen die Stelle gemeinsam und nicht jeder einen separaten Bereich. Das Zeitmanagement ist dabei sehr flexibel und die Teilung der Position muss nicht Hälfte/Hälfte erfolgen. Je nach den Wünschen der Tandem-Partner ist nahezu jede Kombination, von 60/40, 70/30 bis 80/20 möglich.

Jobsharing bietet nicht nur Arbeitnehmern Vorteile

Für Arbeitnehmer bietet Jobsharing prinzipiell die Möglichkeit der Teilzeitarbeit und flexiblen Arbeitszeit. Somit bleibt für jeden Sharer mehr Zeit für das Privatleben und trägt dazu bei, dass Beruf und Familie besser gemanagt werden können. Aber das ist nicht alles! Dieses Arbeitszeitmodell ist für verschiedene Hierarchiestufen und hochqualifizierte Tätigkeiten geeignet. Während die Teilzeit viele Arbeitnehmer oft abschreckt, da sie befürchten, durch weniger Arbeitszeit auch weniger spannende Projekte betreuen zu dürfen, entfällt diese Sorge beim Jobsharing mit einem Tandempartner. Da die Stelle gemeinsam ausgeführt und verantwortet wird, besteht ständig die Möglichkeit Ideen untereinander auszutauschen, sich Rat einzuholen, vom Partner zu lernen und dessen Lernprozess positiv zu beeinflussen. Nicht selten erhöht das auch die Motivation der Arbeitnehmer. Letztlich sorgt dies für mehr Zufriedenheit im Job.

Aber auch für Unternehmen ist Jobsharing keine schlechte Alternative. Denn motivierte, glückliche Mitarbeiter leisten auch bessere Arbeit, die den Unternehmenserfolg im Wesentlichen mitbestimmt. Nicht zuletzt kann das Angebot auch das Arbeitgeberimage verbessern. Ein weiterer positiver Aspekt sind die Fehlzeiten zum Beispiel durch Krankheit oder Urlaub, die beim Jobsharing gegen Null gehen, da davon auszugehen ist, dass einer der beiden Partner anwesend ist und die Stunden ausgleichen kann. Eine Stelle, die von zwei Personen geteilt wird, bringt außerdem den Vorteil, dass dem Unternehmen doppeltes Fachwissen zur Verfügung steht. Die “eierlegende Wollmilchsau” rückt in greifbare Nähe, da sich die Kompetenzen der Mitarbeiter harmonisch ergänzen. Verschiedene Blickwinkel können zudem zu besseren Entscheidungen führen. Die Größe des Unternehmens spielt beim Jobsharing eine eher untergeordnete Rolle, denn von diesem Konzept profitieren vor allem Funktionsbereiche deren Aufgaben eine gewisse Komplexität aufweisen. Beispiele sind unter anderem Projektmanagement sowie Marketing und Vertrieb, aber auch im IT-Sektor.

Das Jobsharing wird in der Praxis häufig als Oberbegriff für verschiedene Modelle verwendet. Die Teilung der Stelle zwischen zwei Mitarbeitern ist die klassische Reinform. Allerdings existieren unter dem begriff Jobsharing noch weitere Formen, wie beispielsweise das Job-Pairing. In diesem Fall wird jedoch der Arbeitsvertrag der Tandem-Partner gemeinsam geschlossen und kann nicht von einer Partei allein aufgelöst werden. Die Kündigung muss von beiden Mitarbeitern eingereicht werden.

 

Jan shared sich gewissermaßen selbst
“Für mich fühlt sich das Arbeiten jetzt wieder wie vor unserer Ausgründung an!”
“Für mich fühlt sich das Arbeiten jetzt wieder wie vor unserer Ausgründung an!”
©DW Deutsch
©DW Deutsch

Jobsharing bei ARTS

Insbesondere der Megatrend New Work führt beständig zu neuen Arbeitszeitmodellen, wie auch die 4-Tage-Woche zeigt. Diese zeichnen sich vor allem durch einen gestiegenen Anteil an Flexibilität aus. Unterschiedlichste Wünsche, Anforderungen oder Rahmenbedingungen lassen sich an die jeweilige Unternehmens- bzw. Mitarbeitersituation anpassen. 

Auch ARTS hat eine individuelle Jobsharing-Form etabliert. Dabei sharen aber nicht zwei Leute eine Stelle, sondern unser IT Supporter Jan shared sich gewissermaßen selbst. Als Senior IT-Support Consultant ist er bei uns im Haus für die Betreuung und Weiterentwicklung unserer IT-Infrastruktur verantwortlich. Bereits 2011 wurde Jan Teil der ARTS-Familie und blieb auch nach der Ausgründung unserer IT-Abteilung zum eigenständigen IT-Start-up manaTec, mit den Schwerpunkten ERP, Business Intelligence und IT-Support, unser Ansprechpartner. Einen Großteil unserer Systeme hat er selbst architektiert und aufgebaut, er kennt die Prozesse und Abläufe daher so gut, wie kein anderer. 

Wie sieht das Jan-Sharing im Detail aus? An drei Tagen in der Woche ist er bei uns im Headquarter in Dresden. Es ist nicht zu hoch gegriffen zu sagen, dass er neben der Kaffeemaschine der beliebteste Mitarbeiter ist, denn er bringt alles wieder in Ordnung, wenn doch mal etwas nicht funktioniert. In seinen Aufgabenbereich fällt der First-Level-Support sowie der Second-Level-Support. An den beiden anderen Tagen ist Jan bei manaTec und kümmert sich um deren Interna. Bevor Jan bei ARTS und manaTec geteilt gearbeitet hat, war der Support für alle Beteiligten mit einem wesentlich größeren Aufwand verbunden. Für jedes Anliegen war es notwendig, ein Ticket zu schreiben. Eine flexible Problemlösung war so nicht möglich. Durch das Jobsharing hat sich das stark vereinfacht. Jan ist nun an drei Tagen für alle Kollegen greifbar. Er kann sich um alle anfallenden Themen, auch die mit geringerer Priorität, kümmern. Gleichzeitig kann er unabhängig vom Budget agieren. Damit erhöht sich jedoch auch die Eigenverantwortung, denn Jan achtet selbstständig auf die Zeiteinteilung und die Einhaltung seiner Arbeitszeiten.

Die Lösung entstand aus dem Bedarf von uns als ARTS, sowie von manaTec. Beide Seiten wollten den Prozess vereinfachen, eine Vollzeitstelle war jedoch nicht denkbar. Die Option als Arbeitnehmer bei zwei verschiedenen Arbeitgebern eine Teilzeitstelle auszuüben, hat allerdings im deutschen Steuerrecht den Nachteil, dass eine der beiden Stellen automatisch mit Lohnsteuerklasse 6 besteuert wird. Es entstehen dem Kollegen daher Abgaben zwischen 50-60%, das war für uns weder eine attraktive noch zumutbare Alternative. Um dieses Problem zu lösen und Jan in beiden Firmen einsetzen zu können, musste daher eine neue Lösung geschaffen werden. Jetzt teilen wir die Kosten im Zwei-zu-Drei-Verhältnis.

Auch wenn sich das Modell verlockend anhört, ist es nicht für Jedermann geeignet. Klassische Jobsharer brauchen ein hohes Maß an Vertrauen, eine ausgezeichnete Kommunikationsstärke sowie Organisationstalent und eine große Portion Selbstreflexion. Auch für Jan bedeutet das neue Modell vor allem mehr Selbstmanagement, um seine Ressourcen bestmöglich zu strukturieren. Viele Unternehmen sehen im Jobsharing in erster Linie die höheren Lohnkosten, obwohl die Vorteile auf der Hand liegen. Wir stehen hinter der Grundidee und sehen die oben beschriebenen Vorteile auch in der Praxis.  

In diesem Prozess, den wir bis heute durchlaufen, haben wir die für uns aktuell beste Lösung erarbeitet. Wir wissen aber auch, dass es keine One-Fits-All Strategie gibt. Jedes Unternehmen ist, unserer Meinung nach, einzigartig. Es bedarf einer individuellen Betrachtung der Prozesse und Strukturen, um in der Arbeitswelt der Zukunft einen echten Mehrwert zu erarbeiten. Ähnlich, wie beim Jobsharing, ist doppelte Kompetenz dabei der Schlüsselfaktor zum Erfolg. ARTS unterstützt Sie und Ihre Organisation bei der Transformation - von der Analyse bis zur nachhaltigen Verankerung.

Quellen: karrierebibel.de | tendemply.com | zeit.de | handelsblatt.com | lohn-info.de | wiwo.de | karrieremarshal.de

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